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In einer längst vergangenen Zeit, als Sagen,
Legenden und Mythen noch existent waren und als die Menschen noch zu
Träumen wagten: Ein Reiter (Ardor vom Venushügel) kommt seines einsamen
Weges und entdeckt auf einer Waldlichtung eine wunderschöne, junge Frau
(Tanja Lindenau), die sich in tiefem Schlaf befindet und der sich langsam
ein abstoßend hässlicher Mann nähert. Der Reiter eilt der Schlafenden zu
Hilfe und tötet den vermummten Fremden. Als die Frau daraufhin erwacht,
zerbricht ihr Herz, denn ihr Liebster liegt tot vor ihr auf der Erde. Vor 7
Jahren ereilte das junge Paar ein Fluch, der die Frau über diesen Zeitraum
in einen Schlaf fallen ließ und dem Mann ein hässliches Ungesicht
zeichnete. An diesem Tag sollte der Fluch endlich aufgehoben werden... |
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Ein Filmsektor, dem allgemein kaum Beachtung
geschenkt wird, der aber stetigen Zuwachs findet, ist der Amateurfilm.
Gerade im deutschen Bereich haben sich darin einige Namen etabliert, die man
bisweilen sogar mit durchaus brauchbarer Horrorkost in Verbindung bringt.
Von Ittenbach, der das Amateur-Genre mittlerweile verlassen hat, über
Buttgereit, bis hin zu den unverbesserlich schlechten Schnaas und Taubert.
Nicht ganz so bekannt wie die genannten, aber mindestens gleichwertig
interessant, präsentiert sich dem Amateur-interessierten Zuschauer der
Nachwuchsregisseur Sebastian Radtke, der zwischen 2002 und 2006 insgesamt 7
Kurzfilme und einen richtigen Film auf den Markt brachte, die er alle selbst
inszenierte, finanzierte und auf die Beine stellte.
Zwei der durchaus unterschiedlichen Kurzfilme erschienen nun als
Double-Feature auf DVD, auch wenn die beiden Werke inhaltlich nur wenig
Gemeinsamkeiten aufweisen. Während sich beim 10 minütigen "Während
es Nacht wird..." um eine düstere und fast schon klassische
Vampirgeschichte handelt, erweist sich "Tränen einer Rose" als
mittelalterliches Märchen. Eine logische Grundvoraussetzung für beide
Werke ist natürlich eine Sympathie zum Amateurfilm, denn wenn diese nicht
vorhanden ist, wird man auch nur schwer einen Zugang in Radtke's Kurzfilme
finden. Es handelt sich hierbei um zwei absolute No-Budget Projekte, die von
Radtke und seinem Freundeskreis im Alleingang inszeniert und veröffentlicht
wurden, ein Vergleich mit größeren Produktionen fällt also weg.
Auch wenn man an Amateurfilme andere Anforderungen stellen muss, als dies
bei gewöhnlichen Filmen der Fall ist, so sind auch diese nicht vor
kritischen Blicken geschützt. An und für sich hält sowohl "Wenn es
Nacht wird...", als auch "Tränen einer Rose" der Erwartung
des einmaligen Ansehens stand, auch wenn beide Werke dabei nicht über das
Mittelmaß hinauskommen wollen. Im direkten Vergleich geht "Tränen
einer Rose" als Sieger aus dem Rennen, da in diesem Werk klar die
bessere Geschichte erzählt wird, die mit ihrer verträumten Erzählweise,
der blühenden und farbenprächtigen Inszenierung und dem poetischen
Off-Kommentar tatsächlich an ein Märchen erinnert. "Wenn es Nacht
wird..." hingegen krankt insbesondere an der schwachen Geschichte, auch
wenn an der Inszenierung nicht viel auszusetzen ist.
Die dabei dargebotene Handlung ließe sich leicht in einem Satz
zusammenfassen und mehr bekommt man in dem Kurzfilm auch nicht geboten. Eine
Frau wird von den Toten zurückgeholt, es gibt einen Zeitsprung von 10
Jahren, sie darf einen Mann ermorden und sich anschließend das Leben
nehmen. Das Ganze ist spannungslos und ohne Überraschungen vorgetragen und
wartet mit einem lächerlichen Ende auf. Die Inszenierung selbst ist
ansehnlich geraten, alles wird in blasse, farblose Bilder gehüllt, die
Vampirinnen sind im Grunde nichts anderes als knapp bekleidete,
leichenblasse Goths mit Plastikgebiss im Mund und die musikalische
Untermalung ist hervorragend. Mit einer etwas ausgefeilteren Story hätte
"Wenn es Nacht wird..." gleich einen wesentlich besseren Eindruck
hinterlassen können.
"Tränen einer Rose" hingegen wartet mit einer ungewohnten
Handlung auf, die den Zuschauer in die Vergangenheit zurückversetzt und
sofort mittelalterliches Flair verbreitet. Zu Lasten fällt der Story
bisweilen seine billige Umsetzung, so etwa ein peinlicher Schwertkampf, doch
an und für sich hat Sebastian Radtke mit dieser Kurzgeschichte das bis dato
beste Werk seiner Karriere auf die Beine gestellt. "Tränen einer
Rose" hat etwas tragisch Poetisches an sich und kommt ganz ohne Blut
oder dergleichen sehr unterhaltsam daher. Auch hier gefällt insbesondere
wieder die fabelhafte, musikalische Untermalung, die bisweilen sogar
Erinnerungen an den Score von "Braveheart" aufkommen lässt.
Die Schauspieler agieren in beiden Werken annehmbar, wenn auch
erwartungsgemäß eher untalentiert. Dabei ist es jedoch nicht einmal das
Schauspiel selbst, das negativ aufstößt, sondern vielmehr die lieblos
heruntergeleierten Dialoge, was besonders in "Wenn es Nacht
wird..." negativ ins Gewicht fällt. Jens Lehmann agiert in dieser
Episode äußerst unbeholfen als Opfer der Vampirin, Carolin Meyer und Danny
May machen als Vampirgoths aber eine gute Figur. In dem zweiten Kurzfilm
sehen wir mit Ardor vom Venushügel, Steffen der Lautenschläger und Mario
die Zunge dann drei Musiker der Mittelalter-Band Cornix Maledictum, die
demzufolge schon Erfahrung mit der Thematik mitbringen und sich gut ins
Geschehen einfügen.
Leider überzeugen die beiden Kurzfilme nicht auf gleicher Ebene. Während
"Tränen einer Rose" als poetisches Märchen daherkommt und
einfach mal etwas anderes bietet, will der Funke bei der ausgelutschten
Story in "Wenn es Nacht wird..." nicht so richtig überspringen.
Die Inszenierung präsentiert sich jedoch in beiden Werken als stimmig, zum
Thema passend und stilsicher, besonders hervorzuheben ist dabei noch einmal
der fabelhafte Score beider Streifen. Wer sich für Amateurproduktionen
interessiert, kann dieser Kurzfilm-Collection jedenfalls mal eine Chance
geben, die insgesamt 23 Minuten für beide Werke sind akzeptabel investiert. |