|
Bei
"Broken" handelt es sich um einen wie aus dem Nichts aufgetauchten
Low-Budget Film, der es von Anfang an nicht gerade leicht hatte, da bereits
kurz nach seinem Erscheinen der Vergleich mit "Saw" herangezogen
wurde. Der anfänglich nur auf Festivals gezeigte, doch mittlerweile schon
in einigen Ländern auf DVD erschienene Film hat mit James Wan's
Überraschungserfolg aus dem Jahr 2004 aber nur recht wenig zu tun, von
einer derben und blutigen Einstiegssequenz gleich zu Beginn mal abgesehen.
Ansonsten erinnert das Ganze mehr an einen "Wolf Creek"
Verschnitt, der auf psychologischer Ebene zu wirken versucht. Den
Regieposten teilten sich dabei gleich zwei Männer, nämlich Simon Boyes und
Adam Mason. Letztgenanntem gelangen mit seinen vorangehenden Filmen
"The 13th Sign", "Dust" und "Prey" freundlich
ausgedrückt noch keine Meisterwerke, weshalb er sich für
"Broken" wohl den Regie-Neuling Boyes zur Unterstützung mit an
Bord holte.
Das Tolle an dem Film ist, dass wir es hier mit einem kleinen
Independentflick zu tun haben, hinter dem wirklich die Intention steckt,
etwas Gutes auf Kamera festzuhalten. Dabei übernahmen viele der Beteiligten
gleich zwei oder drei Posten, um die Kosten auch möglichst gering zu
halten. Doch trotz seiner Herkunft aus der Low-Budget Ecke kann sich
"Broken" durchaus sehen lassen. Der mit einer DV-Kamera
festgehaltene
Film kam auch durchaus berechtigt zu einem gewissen Ruf, auch wenn, ich kann
es nur immer wieder wiederholen, der Vergleich mit "Saw"
unangebracht ist. Auch handelt es sich hier keinesfalls um einen
Überflieger an Gewalt und Abscheulichkeiten, wie so manches Review
vielleicht den Eindruck vermitteln möchte. "Broken" reiht sich in
ein zufriedenstellendes Mittelfeld der derzeitigen Terrorproduktionen ein,
nicht mehr und nicht weniger.
Weniger ist manchmal mehr, so sagt man, doch leider gilt dies nicht im Fall
des hier vorliegenden Films. Der Streifen spielt ausschließlich im Wald und
handelt weitgehend von zwei Charakteren, erst im letzten Drittel stößt
noch eine weitere Person zu dem Geschehen hinzu. Was sich dadurch um so mehr
bemerkbar macht, ist die alles überschattende Ideenlosigkeit des Films. Der
komplette Streifen besteht eigentlich nur aus der Aufnahmeprüfung Hope's
und ihrer anschließenden, ca. 60 tätigen Zeit im Waldversteck des
geisteskranken Entführers. Irgendwann reiht sich nur noch Fluchtversuch an
Fluchtversuch, was ab und an noch durch eine blutige Sequenz abgewechselt
wird, doch wirklich reich an Ideen ist das Drehbuch von Mason und Boyes
nicht gerade.
Nun könnte man sicherlich anfügen, dass gerade dieser Minimalismus Sinn
und Zweck des Films ist, um sich so um so mehr auf das Leiden der
Hauptprotagonisten konzentrieren zu können. Alles in allem kann man das
auch so stehen lassen, doch leider ist "Broken" längst nicht die
hochdramatische Charakterstudie, welche er zu sein versucht. Die beiden
Hauptcharaktere erfüllen ihren Mindestzweck - Hope ist das
bemitleidenswerte Opfer, welches einem insbesondere dadurch sympathisch
wird, da sie die Mutter einer kleinen Tochter ist, über deren Verbleib man
ebenfalls lange im Unklaren gelassen wird. Auf der anderen Seite dann der
namenlose Entführer, zu welchem man gleich eine Distanz aufbaut und der
kaum näher beleuchtet wird. Seine Motivation zur Entführung junger Frauen
bleibt stets im Dunkeln. So haben wir also klar vertretene Gut-Böse
Parteien, mehr braucht "Broken" nicht, auch wenn er wohl gerne
mehr hätte.
Ich rechnete insgeheim mit einem zweiten "Scrapbook", doch anders
als Eric Stanze's ultimativ verstörender Undergroundfilm fährt
"Broken" nicht die vollen Geschütze auf, sondern versucht sich
ein Stück weit, dem Mainstream verträglichen anzupassen. Sexuellen
Missbrauch gibt es bis auf eine kleine Handlung im Film nicht zu sehen.
Nicht, dass ich so etwas an und für sich gutheiße, doch in
"Broken" hätten derartige Szenen optimal gepasst. Stattdessen
setzt der Streifen auf härtere Gewaltszenen, die sofort Erinnerungen an
"High Tension" wachrufen. Insbesondere die Anfangssequenz, in der
man bestens mitverfolgen kann, wie eine Frau in ihren eigenen Innereien
wühlt, um an eine rettende Rasierklinge zu gelangen, ist klar an
"Saw" angelehnt und sieht trotz des geringen Budgets des Films
erstaunlich gut aus. Weiter geht es mit einer herausgeschnittenen Zunge und
noch einigen Nettigkeiten, die Gore-Freaks durchaus bei Laune halten.
Eine Freigabe ab 18 Jahren hat sich der Streifen also verdient, doch um zu
dem größten Kritikpunkt zu kommen: Von blutigen Sequenzen abgesehen kann
"Broken" nicht das bieten, was die Macher wohl zeigen wollten. Die
abartige Beziehung des Entführers zu seinen Opfern wird nie klar
ersichtlich, da man viel zu wenig über den Täter erfährt, als dass seine
Handlungen einen tieferen Sinn ergeben würden. In Interviews gaben Nadja
Brand, Simon Boyes und Adam Mason oftmals an, dass sich ihr Film an ein
intelligentes Horrorpublikum richtet und verstanden werden muss. So viel zu
verstehen gibt es da aber nicht. "Broken" ist ein ganz nett
anzusehender Terrorfilm, der zart besaitete Zuschauer sicherlich verstören
dürfte, Genrekennern aber nicht außerordentlich viel abverlangt.
Langeweile kommt des weiteren auch immer wieder mal kurz auf, da der
Streifen über 90 Minuten lang durch minimale Dialoge und den immer gleichen
Drehort keine konstante Spannungslinie aufrecht erhalten kann.
Lobenswert sind die Leistungen der Schauspieler. Nadja Brand spielt die
geschundene und gequälte Frau, die nur von dem Gedanken an ihre Tochter am
Leben erhalten wird sehr überzeugend. Anfangs noch panisch, irgendwann aber
scheint sie sich ihrem Schicksal zu fügen und wird ruhiger, überlegter.
Die weitgehend unbekannte Akteurin passt optimal in diese Rolle.
Eric Colvin gibt einen schön kranken, unberechenbaren Entführer ab, dessen
Intentionen stets im Hintergrund stehen und dessen Stimmung oftmals zu
schwanken scheint. Dadurch ist er schwer einschätzbar, was ihm um so mehr
Gefährlichkeit verleiht. Eric Colvin verleiht dem Aspekt keine neuen
Ansätze, macht seine Sache aber schon zufriedenenstellend.
Die dritte Akteurin im Bunde, Abbey Stirling, stößt letztendlich noch zum
Geschehen hinzu, hat aber nicht viel zu tun, außer panisch zu schreien.
"Broken" ist sicherlich kein schlechter Film, doch das absolute
Highlight, das viele Horrorfans immer wieder mal gerne darin sehen, ist er
auf der anderen Seite auch nicht. Verstörend ist der Streifen nur für all
jene, die im Genre noch nicht so bewandert sind, doch gerade für die
dürfte sich das Werk als echte Tortur herausstellen. Wer mal wieder einen
altbewährten, schnörkellosen Terrorfilm sehen will, kann mit
"Broken" insgesamt aber nicht viel falsch machen - den Vergleich
zu "Saw" hält der Low-Budget Film allerdings dennoch nicht stand,
denn an dessen Klasse reicht er bei Weitem nicht heran. |