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33 Jahre ist es
mittlerweile schon her, seit Steven Spielberg's weißer Hai die Küsten
unsicher machte und einer ganzen Generation von Kinobesuchern den nächsten
Strandbesuch gründlich vermieste. Der Einfluss des inzwischen zum Klassiker
avancierten Horrorschockers ist aber bis heute erhalten geblieben, blickt
man mal auf die in regelmäßigen Abständen erscheinenden Hai-Horrorfilme,
die versuchen, es dem großen Vorbild gleichzutun. Unglücklicherweise
besitzen die Produktionen zu großen Teilen entweder keinerlei eigene
Qualitäten und kopieren das berühmte Vorbild schamlos, oder versuchen sich
gar an einer eigenen Story und gehen dabei unter. Um die guten
Hai-Horrorfilme der letzten Jahre aufzuzählen, braucht es im Grunde nicht
lange, denn bis auf "Deep Blue Sea" und "Open Water"
erschien in diesem Sektor nur schlechtes bis durchschnittliches B-Material.
Was den Fans dieses Subgenres allerdings mit Danny Lerner's "Raging
Sharks" zugemutet wurde, ist selbst für B-Verhältnisse eine
Katastrophe.
Gerade von einem
Mann wie Lerner hätte man sich im Grunde mehr erhoffen dürfen, denn der
Gute hatte seine Finger in beinahe 80 B-Movies der vergangenen 15 Jahre, bei
denen er sich allesamt als Produzent betätigte. Viel Zeit und Gelegenheit,
um für den eigenen Ausflug auf den Regiestuhl zu lernen, sollte man meinen,
doch "Raging Sharks" führt diese Vermutung leider ad absurdum.
Der Film vollbringt bereits in seiner Eingangssequenz das Wunder, den
Zuschauer jegliche Hoffnung auf einen guten Film verlieren zu lassen. Als
Erklärung für das aggressive Verhalten der Haie im Bermuda-Dreieck müssen
hier tatsächlich zwei kollidierende Raumschiffe herhalten, die natürlich
in all ihrer CGI-Pracht gezeigt werden, samt schleimigen Außerirdischen. Da
möchte man gar nicht erst wissen, welchen Stoff Les Weldon, der
Drehbuchautor, eingeworfen hatte, als ihm diese brillante Idee kam.
Munter geht es
fortan weiter mit den Unzulänglichkeiten. Der Schnitt ist von Anfang an
desaströs und lässt problemlos erkennen, dass die Haie niemals im selben
Frame wie die Menschen waren, die sie attackieren. Kommt es zu einem
Hai-Angriff, erwartet den Zuschauer eine beinahe schon epileptische
Schnittfolge, bei der zwischen sprudelndem Blut und aufschäumendem Wasser
alles zu erkennen ist außer des eigentlichen Vorgangs. Auch sonstige
Szenen, in die die Haie irgendwie involviert sind, wirken sehr lieblos
zusammengepfuscht, manchmal werden diverse Szenen sogar zwei, dreimal
verwendet, in der Hoffnung, dass es den verblödeten Horrorfans schon nicht
auffallen wird.
Wen wundert es da
ernsthaft noch, dass auch die Story um die Unterwasserforschungsstation
vollkommen für den Eimer ist? Da wurden ein paar B-Movie Mimen in eine
laborähnliche Umgebung gesteckt und reden etwas von wichtiger Arbeit, doch
was genau die Damen und Herren da auf dem Meeresgrund erforschen, bleibt
absolut undurchsichtig. Auch das Beziehungsgeflecht der Protagonisten
fordert rätselnde Blicke zu Tage. Der Projektleiter Dr. Mike Olsen darf
fleißig mit seiner Kollegin Linda rumnudeln, die von dem Techniker Harvey
derweil in absehbarer Regelmäßigkeit als Schlampe tituliert wird. Der Rest
der Crew besteht des weiteren entweder aus attraktiven Frauen oder aus
russischen Komparsen, deren Tätigkeitsfeld nie wirklich erläutert wird.
So lebt und liebt
es sich fröhlich am Meeresgrund daher, bis ein Haiangriff stattfindet,
worauf das Geschehen allerdings auch nicht gerade spannender zu werden
droht. Sehr vorhersehbar geht die Story von da an vonstatten, immer wieder
gibt es Umschnitte von dem Treiben innerhalb der Forschungsstation zu einem
U-Boot, in dem ein alternder Corbin Bernsen als Captain einer
Militärmannschaft betrübt und gelangweilt in die Kamera schauen darf, was
den Plot aber nicht unbedingt vorantreibt. Was ist nur aus dem Mann
geworden, der sein Talent vor einigen Jahren wenigstens noch an gute
B-Movies, etwa "The Dentist", verschwendete?
"Raging
Sharks" plätschert derweil müde vor sich hin, präsentiert mitten im
Film plötzlich einen Haiangriff auf einen amerikanischen Strand, bei dem
zwar zahlreiche Badegäste gefressen werden, der aber absolut nicht in die
sonstige Handlung passt und auf den später auch keinerlei Bezug mehr
genommen wird. Stattdessen bringen Danny Lerner und Les Weldon im letzten
Drittel noch einen US-Geheimdienstler ein, der neben den Haien, die
übrigens Geräusche von knurrenden Löwen von sich geben, noch eine weitere
Bedrohung in dieser B-Katastrophe darstellt. Mit einem MG bewaffnet, darf er
zunächst für ein paar Tote in der Forschungsstation sorgen, bevor er sich
dann im großen Showdown fröhlich mit dem Good Guy kloppt.
Beinahe überkommt
einen schon Mitleid, wenn man mit ansehen muss, in welchen Produktionen sich
Corin Nemec, der Star aus der 90er-Kultserie "Parker Lewis - Der Coole
von der Schule" mittlerweile herumschlagen muss. Auch Corbin Bernsen
hatte augenscheinlich nicht sehr viel Lust auf "Raging Sharks" und
agiert auf Sparflamme, während der Rest des Casts entweder weiblich ist und
gut aussieht oder einfach nur aus dem nächstbesten Heim für mittellose
Schauspieler geholt worden scheint.
"Raging Sharks" ist alles - ein Trash-Reißer, ein unfreiwilliger
Schenkelklopfer und wenn es sein muss auch eine Pizza Margarita mit extra
viel Käse, aber sicherlich kein ernstzunehmender Horrorfilm. Für Filmfans,
die niveauvolle Unterhaltung suchen, ist dieser dilettantische Rohrkrepierer
natürlich ein Schlag mitten ins Gesicht, der eine oder andere Trashfan
dürfte aber seinen Spaß daran haben. Keine Frage, objektiv betrachtet ist
"Raging Sharks" absoluter Müll, doch ohne derartige Werke wäre
das Spätprogramm der privaten Sender einfach nicht das selbe. |