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Als "Old Skool Kung Fu" preist das
Cover der englischen DVD den "Rebell der Shaolin" an - und das
völlig zurecht!!! "Rebell der Shaolin" ist wirklich ein
klassischer KungFu- Film. Kämpfe, die von ihrer Akrobatik und Abstimmung
her schon an die Ästhetik eines Tanzes erinnern; Darsteller, die der
Schwerkraft trotzend durch die Lüfte fliegen; bunte Kostüme; allerlei
exotische Waffen; Shaolin, Schurken, Schläge. Was wäre so ein richtiger
Old-School-Eastern ohne entsprechend namhafte Stars? Carter Wong, Polly
Shan-Kuan, Chang Yi, Dorris Lung-Chun Erh...
Eine Besetzung, die sich wahrlich sehen lassen kann!!! Bekannte Namen,
bekannte Gesichter. Und alle Darsteller machen ihre Sache wie gewohnt gut.
Okay, Carter Wong gehört ja nicht unbedingt zu den Darstellern, die mit
einer großartigen schauspielerischen Gabe gesegnet sind. Erschwerend kommt
in diesem Fall allerdings hinzu, dass seine Rolle auch nicht gerade sehr
ergiebig ist. Als etwas ungeschickter Jung-Mönch tappt er in so ziemlich
jedes Fettnäpfchen, das die Story für ihn bereithält. Gleich zweimal
hintereinander findet er alleine die Leiche eines Mönches, um von den
Mönchen "auf frischer Tat ertappt" zu werden. Da braucht er sich
dann nicht zu wundern, dass man ihn für den Mörder hält. Wundern könnte
er sich allenfalls über diesen doch etwas weit hergeholten Einfall des
Drehbuchautors. Gestik und Mimik sind nicht gerade Carter Wongs Stärke. Man
könnte ihn vielleicht mit einem Jean-Claude Van Damme vergleichen:
Großartige Technik, wenig schauspielerisches Talent. Macht nix: Carter Wong
soll ja schließlich nicht den Hamlet geben, sondern seinen Gegnern ein paar
Watschen verpassen ;-)
Ein Blickfang sind mal wieder die beiden Damen der kämpfenden Zunft: Polly
Shan Kuan und Dorris Lung-Chun Erh. Sie dürfen sich gegenseitig an die
Wäsche gehen, vor allem aber auch ihre männlichen Kollegen ordentlich
verdreschen. Grazil, anmutig und doch durchschlagend. Chang Yi ist einmal
mehr auf der dunklen Seite der Macht. ;-) Der Schurke vom Dienst spielt
einen Eremit, der einst unehrenhaft aus dem Kloster verbannt wurde. Dabei
unterliegt er in seiner Rolle im Laufe der Handlung einem interessanten
äußerlichen Wandel. In einer Rückblende werden die Ereignisse, die zu dem
Rauswurf aus dem Kloster führten gezeigt. Als junger Kung-Fu-Kämpfer mit
wehenden schwarzen Haaren, der seine Gegner meist verkrüppelt zurückließ,
hatte er im Eifer des Gefechts drei Männer getötet. Jetzt im hohen Alter
hat er zottelige graue Haare, ebenso zottelige Augenbrauen und einen wirren
Bart. Chang Yi ist dabei wirklich sehr schön verkleidet. Man erkennt ihn
kaum wieder, einzig an seinen wie immer hervorragenden akrobatischen
Kampfszenen. Hier stiehlt er sogar Carter Wong die Show.
Das finale Duell zwischen ihm, Carter, Polly und Dorris ist ein richtiges
Highlight. Hier fließt dann auch ein bisschen Blut, Augen werden
ausgestochen. Doch keine Panik: Die Gewalt ist eher nur angedeutet
(zumindest in der deutschen Kinofassung) und hält sich dezent zurück, so
dass das Hauptaugenmerk ganz auf der Choreographie der Kämpfe liegt.
Gekämpft wird zum Glück recht häufig. Gelegenheiten dazu ergeben sich aus
der Handlung zu Genüge. Ob Carter Wong auf seiner Flucht mal wieder einem
Kopfgeldjäger in die Falle tappt, ob Chang Yi seine Kampfkunst
präsentiert, ob Polly und Dorris sich in die Wolle kriegen: Ständig
fliegen die Fäuste. Aber auch andere, teilweise exotische Waffen kommen zum
Einsatz. In choreographischer Hinsicht sehr schön sind beispielsweise die
Szenen, in denen Dorris Lung-Chun Erh ein Fächer als Waffe dient, oder wenn
Carter Wong sich gegen unzählige Mönche mit Speeren behaupten muss.
Nicht nur die Fäuste fliegen. Auch die Akteure, und zwar meterweit durch
die Luft. Das mag für Zuschauer mit eher westlich orientierten
Sehgewohnheiten etwas verwirrend, vielleicht auch nervig sein, zumal sich
der Einsatz von Wire-Work bei "Rebell der Shaolin" wirklich stark
an der Grenze zur peinlichen Übertreibung bewegt. Allerdings sind es ja
unter anderem gerade diese Elemente, die den klassischen Kung-Fu-Film
ausmachen. Auch moderne Filme des fernöstlichen Kinos bedienen sich sehr
häufig dieser Technik. Als Beispiel sei da nur "Heroic Trio"
genannt, wo das Spiel mit den unnatürlichen Bewegungen der Darsteller ja
wirklich schon überstrapaziert wird.
Kostüme und Kulissen sind, wie könnte es auch anders sein, mal wieder sehr
farbprächtig, stilvoll und traditionell. Traditionell ist ebenfalls, dass
hier einmal mehr ein Shaolin Kloster als Schauplatz des Geschehens dient. Im
Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Kloster-KungFu-Kinos ;-) wird bei
"Rebell der Shaolin" zumindest ansatzweise auch auf das Leben und
den Glaube der Mönche eingegangen. Also nix von wegen den ganzen Tag
trainieren, kämpfen und Weisheiten aus dem Nähkästchen zum besten geben.
Zwar lassen sich die Mönche hier auch nicht lumpen, wenn es um die
Präsentation ihres Handkanten-Könnens geht, allerdings wird hier
zwischendurch auch mal gebetet, ein Abt gewählt, beerdigt und rituell
geselbstmordet ;-) "Rebell der Shaolin" zeichnet somit ein
wesentlich authentischeres Bild vom Klosterleben ab, als viele andere seiner
filmischen Kollegen. Gewissermaßen the REAL Shaolin-Experience.
Die Handlung ist vom Prinzip her eigentlich eine typische
Revenge-Geschichte. Hier allerdings etwas verschachtelt. Eine unterhaltsame
Mischung aus KungFu und Kloster-Krimi ("Der Name der Rose" lässt
grüßen). Gegen Ende des Films weht in einem Geheimgang (inklusive
heimtückischer Fallen) sogar noch ein Hauch von "Indiana-Jones".
Muss man bei einem klassischen Eastern eigentlich noch erwähnen, dass
Norbert "Homer Simpson" Gastell mal wieder als Synchronsprecher
fungiert? ;-)
Fazit: Old-School-KungFu? Ja bitte!!! Und zwar genau so wie "Rebell der
Shaolin"!!! |