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Im Jahre 1801 entführte der grausame Graf
Regula zwölf Jungfrauen auf seine „Blutburg“ im Sandertal und folterte
sie dort in einem geheimnisvollen Ritual, von dem er sich ewiges Leben
versprach, zu Tode. Sein 13. und letztes Opfer, die Baroness von Brabant
konnte seinen Fängen entkommen und sich dem Richter Reinhard von Marienberg
offenbaren. In einem Schauprozess wurde der Graf des Mordes angeklagt und
öffentlich hingerichtet, nicht ohne vorher noch die obligatorischen
Verfluchungen auszusprechen.
35 Jahre später erhalten die Baroness Luise von Brabant und der Anwalt
Roger Montelise, die Nachfahren der beiden Schlüsselpersonen des damaligen
Falls, jeweils eine mysteriöse Einladung auf eben jenes Schloss des
schrecklichen Grafen. Zusammen mit der Zofe der Baroness, sowie einem etwas
dubiosen Geistlichen, machen sie sich auf den Weg zum Schloss. Dort
angekommen erkennen sie sehr bald den wahren Grund der Einladung: Graf
Regula, von seinem untoten Diener Anatol zurück ins Leben gerufen, will mit
Luise als 13. Opfer sein Ritual vollenden und seine Racheschwüre
einlösen.. |
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Harald Reinl, eigentlich eher für die
filmische Aufarbeitung der Kriminalgeschichten von Edgar Wallace, sowie „Dr.
Mabuse“, „Jerry Cotton“- oder „Karl May-„ Filme zuständig, nahm
sich bei seinem „Die Schlangengrube und das Pendel“ einer klassischen
Erzählung Edgar Allan Poes an.
Schon der Beginn ist sehr stimmungsvoll: Von einem muskelbepackten Henker in
schmucker roter Maske und ebenso roter Stretchhose wird Graf Regula aus dem
Verließ geschliffen, bekommt von Lex Barker mit niedlicher
Isaac-Newton-Gedächtnis-Perücke die Leviten gelesen und gleichzeitig noch
eine goldene Maske mit innenseitigen Metallspitzen verpasst. Nachdem diese
REGULArien erledigt sind, warten auch schon 4 PS auf den Grafen, der sich
danach hin- und hergerissen fühlt.
Der nun erfolgende Zeitsprung der Handlung über 35 Jahre wird dabei mit
einem sehr gelungenen Übergang bewerkstelligt: Die eben noch dargestellte
Einstellung der Hinrichtung geht langsam in eine gemalte Darstellung über.
Der Bildausschnitt erweitert sich. Ein Leierkastenmann mit Holzbein
unterhält die Menschen mit einem Reimgesang über die Taten des Grafen
Regula und illustriert seine Texte mit den für diese Zeit typischen
Schautafeln.
Man sieht, hier wird Atmosphäre noch groß geschrieben. Die wunderbaren
Einstellungen, wenn die Kutsche, nachdem sie durch einen farbenprächtigen
Sonnenuntergang gefahren ist, einen nebelverhangenen Geisterwald passiert,
sollte sich wirklich kein Horror-Fan entgehen lassen. Wunderschön, wie dort
die Körper Dutzender Gehenkter munter an den Ästen baumeln oder aus
knorrigen Bäume menschlichen Körperteilen heraus zu wachsen scheinen.
Überhaupt haben die Requisiteure ganze Arbeit geleistet. Allein die
charmant-gruseligen Kulissen im Schloss des Grafen jagen einem wohlige
Schauer über den Rücken. In bester Manier traditioneller HAMMER-
Produktionen wird das gesamte Repertoire klassischer Horrorfilme bemüht:
Knarrend rumpelnde Falltüren, Geheimgänge deren Felswände mit hunderten
von Totenschädeln verziert sind, Ritterrüstungen samt verwestem Inhalt, an
den Wänden dämonische Gemälde, die der Staffelei Hieronymus Boschs
entsprungen sein könnten. Selbstverständlich darf dann auch die
obligatorische Folterkammer inklusive Frankenstein’schem Laboratorium mit
viel Blubber- Zeug nicht fehlen. Eine sehr schöne Idee der Requisite war es
dann auch noch, die verschlissenen zwölf Jungfrauen als Kulisse in ihrer
jeweiligen Ablebens- Pose im Hintergrund aufzubauen. Sehr makaber aber
gleichzeitig auch erheiternd anzusehen, wie die Damen dort blutüberströmt
auf ihren Foltergeräten rumhängen.
Zu den Schauspielern selber und deren Können braucht man wohl kaum noch
etwas sagen. Christopher Lee darf, wenn auch diesmal ohne Umhang und Hauer,
auch hier dem Blute frönen und später zu Kreuze kriechen. Frau Dor, zur
Zeit der Entstehung des Films gerade mit Regisseur Reinl verheiratet, macht
(wie immer) mit den wohl schönsten Augen des deutschen Films gute Miene zum
bösen Spiel. Und Lex Barker gibt einmal mehr den Helden, hier jedoch
weniger mit der „Shatterhand“, als vielmehr mit detektivischem Gespür.
Bleibt noch Vladimir Medar, der als Gauner im Paterkostüm auch als „Ivan
Rebroff“- Double durchgehen könnte und mit seiner herzlichen Art für die
leichten komödiantischen Ansätze sorgt.
Einzig der Soundtrack, der eher an die Musik eben jener Wallace-Verfilmungen
Reinls erinnert, wirkt ein wenig verloren. Ein etwas theatralischer,
bombastischerer Sound, wie bei vielen englischen oder amerikanischen
Horrorfilmen dieser Zeit, hätte die schöne Grundstimmung des Films noch
besser untermalt.
Nichtsdestotrotz tut dieses kleine Manko dem schönen Gesamteindruck des
Film keinen großen Abbruch. „Die Schlangengrube und das Pendel“ sorgt
mit seinem Charme, stellenweise unfreiwillig komischen Einlagen und einem
Flair, der dem der alten Edgar-Wallace Filmen nahe kommt, für ein
nostalgisches Wonnegefühl beim Zuschauer, fast so wie beim Betrachten alter
Kinderfotos.
Am besten zu genießen im grünen Salon, bei flackerndem Kaminfeuer, die
Füße auf den Kopf des Bärenfell- Fußabtreters hochgelegt und munter im
Schaukelstuhl den Cognac-Schwenker geschwungen. Falls derartiges nicht
vorhanden, tut es selbstverständlich auch das heimische Wohnzimmer, ein
Sofa mit Nackenröllchen und eine Pulle Bier ;-) Wohl bekomm’s!!
Fazit: Christopher Lee, Karin Dor und Lex Barker in einer Edgar Allan Poe
– Adaption in bester HAMMER-Manier. Ein Muss für Freunde des klassischen
Gothic Horrors!!! |