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Mordende Puppen
sind im Horror-Genre keine Seltenheit mehr. Vor allem dem großen Vorreiter
"Chucky" ist es zu verdanken, dass mittlerweile zahlreiche, mehr
oder weniger gute, Streifen über aggressive Spielzeuge Einzug in die
Filmwelt gehalten haben. Und ob man sich nun am bereits genannten
"Chucky", dem "Puppetmaster" oder diversen Charles Band
Produktionen erfreut, für Nachschub in dieser Hinsicht ist in der Regel
immer gesorgt. Auch in letzter Zeit erschien wieder ein B-Movie über
unsittige Kinderzimmereinrichtung, welches kein großes Geheimnis daraus
macht, sehr offensichtlich bei diversen Vorbildern abzukupfern. So erscheint
"Triloquist" wie die trashige Mixtur aus Rob Zombie's "The
Devil's Rejects" und Oliver Stone's "Natural Born Killers".
Natürlich muss an dieser Stelle nicht umfangreich erwähnt werden, dass der
Film an keinen der Beiden heranreicht, doch an und für sich gelang den
Verantwortlichen hiermit noch ein annehmbares Stück anspruchslose
Unterhaltung.
Die Regie des Werkes
übernahm Mark Jones, der bereits "Leprechaun" und
"Rumpelstiltskin" inszenierte und zudem für zahlreiche
Produktionen als Schauspieler vor der Kamera stand oder das Drehbuch
schrieb. Mit "Triloquist" meldete sich der 55 jährige auch als
Regisseur zurück, nachdem er zuletzt im Jahre 2004 für den Thriller
"Quiet Kill" mit Ron Perlman und Corbin Bernsen auf dem Regiestuhl
Platz nahm, doch auch der Puppen-Roadmovie-Horror-Streifen wird Jones wohl
kaum die vermutlich erhoffte Popularität einbringen. Bei den meisten
Genre-Fans kommt das Werk bislang eher schlecht an und auch die Kritiker
sind nicht gerade des Lobes. Somit ist es eine Sache des eigenen Geschmacks,
ob man zu dem gewöhnungsbedürftigen Werk einen Zugang finden wird oder
nicht. Es lässt sich aber mit Sicherheit sagen, dass Trash-Kenner und Fans
durchaus ihren Spaß mit dem Film haben können, so lange sie die
Erwartungen nicht falsch ansetzen.
"Triloquist"
versucht gar nicht erst, sehr ernsthaft daherzukommen und dürfte somit wohl
vor allem jene enttäuschen, die sich hiervon einen zweiten "Child's
Play" erhoffen. Mit jenem Klassiker hat das Werk nicht viel am Hut und
präsentiert sich in einer gänzlich anderen Richtung. So ist es hier schon
einmal nicht zwangsläufig die namenlose Bauchrednerpuppe, von der ein
Großteil des Terrors ausgeht, vielmehr agiert der Dummy nur aus dem
Hinterhalt, während die durchgeknallte Angelina für die meisten Morde
verantwortlich ist. Nimmt man noch Norbert hinzu, dann gelang den
Verantwortlichen mit dem Trio, bestehend aus einem geistig
zurückgebliebenen Autisten, seiner Bauchrednerpuppe und seiner notgeilen
Schwester zugegeben schon drei äußerst abgefahrene Hauptcharaktere.
Angelina ist im Prinzip ständig nur auf Sex aus und macht diesen auch zum
Hauptinhalt fast all ihrer Aussagen, während Norbert niemals spricht und
nur über seine Puppe kommuniziert. Dabei ist sich der Zuschauer lange Zeit
nicht darüber im Klaren, ob der Dummy nun ein Eigenleben führt oder nicht.
Mit ihren lustigen und zynischen Sprüchen sorgt die Puppe des öfteren für
etwas schwarzen Humor und macht auch sonst beinahe die Tatsache vergessen,
dass sie nur ein lebloser Gegenstand ist.
Zugegeben, die
Gesichtsbewegungen der Puppe können mit derer anderer Dummys aus ähnlichen
Filmen nicht mithalten. Die Bauchrednerpuppe kann ihren Mund, sowie die
Augen bewegen, unterschiedliche Mimiken sucht man dabei jedoch vergebens.
Andererseits trägt diese Tatsache auch zum Rätsel bei, ob die Puppe nun
eigentlich lebt oder nur von Norbert gesteuert wird, was somit also durchaus
von den Machern bewusst so inszeniert sein könnte. Die größte Stärke des
Films ist die Tatsache, dass er niemals ernstzunehmend träge erscheint und
dank einer kurzen Spielzeit von 78 Minuten stets sehr unterhaltsam
daherkommt.
Die Inszenierung
des Films ist insgesamt für Budget-Verhältnisse außerordentlich
überzeugend geraten. Insgesamt präsentiert sich "Triloquist" als
sehr farbenfrohes und helles Road-Movie, das mit diversen
Schwarzweiß-Spielchen, raschen Schnitten und vereinzelten Überblendungen
durchaus Erinnerungen an "Natural Born Killers" ins Gedächtnis
zurückruft. "Triloquist" wirkt im Rahmen seiner Möglichkeiten
alles andere als billig oder unbeholfen inszeniert, sondern steht rein
optisch durchaus über dem Durchschnitt ähnlicher gelagerter B-Streifen.
"Triloquist"
wird selbstverständlich beinahe ausschließlich die Horror-Kundschaft
anlocken und die dürfte sich von dem Film zum Teil enttäuscht zeigen. Mark
Jones inszenierte ein sehr selbstironisches und eher lockeres Werk, das
nicht ständig versucht, seinem Publikum durch pausenlose Schocks oder
Bluteffekte einen Schauer nach dem nächsten über den Rücken zu jagen. Man
muss sagen anfügen, dass "Triloquist" insgesamt eher blutarm
geraten ist und vordergründig durch seinen schrägen Humor und seine
verrückten Charaktere punkten kann, wirklichen Horror sucht man hier zu
jedem Zeitpunkt vergebens. Als Beispiel der Gewalt in dem Film sei an dieser
Stelle die Szene genannt, in der Angelina einem Nachtclubbesitzer einen
Blowjob anbietet und diesen dann von der Puppe ausführen lässt, die
natürlich erst einmal kräftig zubeißt. Eben schräg und schwarzhumorig,
aber nie zu blutig oder nur auf den Gore bedacht.
Über die
Schauspielerleistungen darf man geteilter Auffassung sein. Paydin LoPachin
besticht durch ihr außerordentlich gutes Aussehen, erhält aber nicht viel
Gelegenheit, ein eventuell vorhandenes, schauspielerisches Talent unter
Beweis zu stellen. Alles, was sie zu tun hat, ist ihren Vorbau richtig zu
präsentieren und des öfteren sexuelle Anzüglichkeiten in den Raum zu
werfen. Rocky Marquette gelingt es weiterhin absolut nicht, den Autisten,
der niemals ein Wort spricht, glaubhaft an den Mann zu bringen. Mit stets
nur ein und den selbem Gesichtsausdruck quält sich Marquette durch den
Film, gelegentlich unbändig wie ein Gummiball durchs Bild springend, im
nächsten Augenblick wieder wie in eine Starre versetzt dasitzend.
"Triloquist"
ist einer der Filme, bei denen man sich nicht ganz sicher ist, ob man das
Gesehene am liebsten in die Tonne treten oder gleich noch einmal sehen
würde. Mit anderen Puppen-Horrorfilmen kann das Werk alleine schon deshalb
nicht mithalten, da es sich auch nicht als solcher präsentiert, sondern
vielmehr eine abgefahrene Mischung aus "The Devil's Rejects" und
"Natural Born Killers" auf sein Publikum loslässt. Das Werk lebt
von seinem zynischen Humor, den durchgeknallten Charakteren und diversen
Anzüglichkeiten, ohne dabei irgendwann zu blutig zu werden. Als Trash-Fan
darf man "Triloquist" sehen, alle anderen sollten den Streifen
meiden. |