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Deutsches
Kino ist ja nicht immer zwangsläufig auch gutes Kino. Was deutsche
Filmemacher aber ausmacht, ist die Fähigkeit Geschmacksgrenzen zu
überschreiten. Jörg Buttgereit hat es seinerzeit mit den
„Nekromantik“-Filmen gemacht. Nun kommt der noch unbekannte
Neuregisseur Rouven Blankenfeld daher
und versucht in Buttgereits Fußstapfen zu treten.
Allerdings auf eine andere Art. Nicht so verstörend. Nicht so
bieder. Eher so wie ein Sonntagabend-Tatort mit etwas unnormaler
Thematik. Rouven Blankenfeld, der auch für das Drehbuch
verantwortlich ist, erzählt die Geschichte eines netten,
zuvorkommenden jungen Mann, der in seiner Freizeit zum Serienmörder
wird. Er ist einsam und hat ein Problem mit den Lebenden. Zumindest
wenn es um Sexualität geht. Hautperson Boris fällt es schwer
Personen zu beurteilen. Ihm fällt es schwer, moralische Grenzen
nicht zu überschreiten. Er ist nicht fähig ein „normales“
Leben zu führen und sieht den Tod eher als Erlöser anstatt des
Zerstörers.
Diese Charakterstudie eines naiven und gestörten Menschen ist das
Gerüst dieses sehenswerten Film. Karsten Dahlem ist zwar kein
hochtalentierter Darsteller, macht seinen Job aber außerordentlich
gut. Die Rolle des fiktiven Serienmörder und Leichenvergewaltiger
verlangt ihm einiges ab, was er zum Großteil sehr gut bedienen
kann. Stefanie Mühle steht als zweite Hauptperson im Fokus. Die
langjährige Theater- und TV-Schauspielerin („Großstadtrevier“,
„Lindenstraße“ „Tatort“ uva.) bringt einiges an Erfahrung
mit und kann mit einer soliden Leistung zum guten Gelingen
beitragen. Probleme gibt es bei der Darstellung der Leichen. Eine
schwierige Aufgabe, die nicht ausreichend gut umgesetzt wurde, um
100% Authentizität auf den Bildschirm zu bringen.
Gewalt ist in „Lieben“ zwar ein großes Thema, spielt aber keine
so große Rolle, wie man es vermuten könnte. Das FSK 18 geht zwar
in Ordnung, übermäßige Blut- und Gewaltorgien braucht man aber
nicht zu erwarten.
Das Tempo des Films ist etwas schleppend. Daraus resultiert nur
wenig Spannung, die es bei der Thematik aber auch nicht unbedingt
benötigt. Die ruhige Erzählweise erzwingt aber auch keine dichte
Atmosphäre. Es ist zwar alles etwas unwirklich und auch leicht
verstörend, ein hellerleuchteter Funke will aber nicht überspringen.
Unterm Strich ist „Lieben“ aber auf jeden Fall ein sehenswerter
Film. Für Freunde des Films und diejenigen, die nicht nur die
Trivialitäten des Lebens mögen, sondern sich auch für das
menschliche Abseits interessieren. Einen direkten Vergleich zu „Nekromantik“
kann man nicht zwingend ziehen. Man könnte eher sagen, dass
„Lieben“ ein „Nekromantik“ im Tatort-Format ist. Aber
sicherlich nicht für jeden Geschmack geeignet. |
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Die
DVD kommt mit einer soliden Bild- und Tonqualität daher. Da dieser
Film kein großes Budget hatte, braucht man natürlich keine
technische Perfektion erwarten. Das Extra-Menü ist reichhaltig
gefüllt. Es gibt einen Audiokommentar von Regisseur Blankenfeld und
Jörg Buttgereit. Die beiden stehen auch gemeinsam in einem
interessanten Interview vor der Kamera. Sie plaudern circa 25
Minuten aus dem Nähkästchen. Des Weiteren gibt es Trailer,
unveröffentlichte Szenen (ca. 7 Minuten) und einen 15minütigen
Kurzfilm von
Rouven
Blankenfeld, mit dem Titel "Tag der Umkehr".
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