Phantom der Oper

Informationen

OT:Phantom Of The Opera

ca.88 Minuten

USA 1943

Regie

  • Arthur Lubin
Darsteller

  • Claude Rains
  • Susanna Foster
  • Nelson Eddy
  • Edgar Barrier
  • u.a.

Phantom der Oper

Story

Der in die Jahre gekommene Violinist Erique Claudin (Claude Rains) spielt schon seit über 20 Jahren für das Orchester der Pariser Oper, doch mittlerweile ist er einfach nicht mehr der Jüngste, was sich leider auch in seiner Musik bemerkbar macht. Der an Arthritis erkrankte Claudin trifft nicht mehr jeden Ton perfekt und wird deshalb auf die Straße gesetzt. Um aber auch weiterhin etwas Geld in der Tasche zu haben, möchte der ruhige und zurückhaltende Musiker eine eigens von ihm komponierte Aufführung an die Pariser Oper verkaufen, doch dabei kommt es zu einem Missverständnis. Claudin glaubt, dass man ihm sein Lebenswerk stehlen möchte und tötet den Verleger Pleyel (Miles Mander). Dessen Freundin schüttet Claudin daraufhin eine Schüssel voller Säure ins Gesicht, woraufhin er sich entstellt in die Katakomben der Oper flüchtet.

Kurz darauf kommt es zu seltsamen Vorfällen in der Oper. Es hat den Anschein, als habe es jemand auf die junge Sängerin Christine Dubois (Susanna Foster) abgesehen. Zuerst weiß niemand, dass Claudin hinter diversen Diebstählen und Anschlägen steckt seine ganz eigenen Pläne hat. Er schwärmt schon lange für die wunderschöne Christine und hat ihr einst mit seinem Gehalt sogar anonym ihren Gesangsunterricht bezahlt. Um sie zum großen Star der Oper zu machen, ist Claudin jedes Mittel recht…

Kritik

Das Phantom der Oper ist heute sicherlich jedermann ein Begriff, nicht zuletzt durch die erneute Verfilmung des Stoffes von Joel Schumacher aus dem Jahr 2004. Die Geschichte um den unheimlichen maskierten Mann, der in den Gewölben einer Oper sein Dasein fristet und von dort aus seinem Treiben nachgeht wurde nun schon vielfach aufgegriffen und unterschiedlich verfilmt. Mal als Liebesdrama, mal als anspruchsloses B-Horrorfilmchen. Die mir vorliegende Version aus dem Jahr 1943 war die erste Farbfilm-Version und wurde mithilfe des Technicolor-Verfahrens verwirklicht. Dafür, dass Universal damals noch nicht viele Farbfilme gedreht hatte, muss man dem Studio ein Lob aussprechen, denn das ist ihm hier bestens gelungen.

Wie dem auch sei. 1943 waren die Studiobosse bei Universal der Meinung, dass die Kinogänger genug vom übernatürlichen Horror hätten und griffen deshalb die Thematik des Phantoms der Oper erneut auf, nachdem diese schon 1925 für eine Verfilmung mit Lon Chaney in der Hauptrolle herhalten musste. Zudem wütete 1943 bekanntlich noch der Zweite Weltkrieg, weshalb man dem Publikum nicht noch mehr Horror als unbedingt notwendig "zumuten" wollte. In Folge dessen wurde "Phantom der Oper" letzten Endes mehr zu einer Mischung aus Drama und Opernfilm, weshalb er auch von vielen Fans als schwache Umsetzung angesehen wird. Dass es der Verfilmung allerdings bedeutend an Horror fehlt ist auch darauf zurückzuführen, dass sich der Hauptdarsteller Claude Rains weigerte, in dem Film mit furchteinflößendem Make Up aufzutreten. Da Erique Claudin mit Säure verletzt wird, ist es natürlich nur logisch, dass das Phantom kein schöner Anblick ist, doch gerade diesen wollte Rains dem Publikum vorenthalten, um nicht nur mit dem Horrorgenre in Verbindung gebracht zu werden. Regisseur Arthur Lubin aber überlistete seinen Hauptdarsteller und machte mit versteckter Kamera noch einige Aufnahmen des geschminkten Akteurs, die wir in der Endfassung auch betrachten können.

"Phantom der Oper" zu kritisieren, weil er zu wenig Horror beinhaltet, halte ich für falsch, da dies von Universal beabsichtigt war. Allerdings sollte man sich dessen schon im Klaren sein, wenn man von dem Streifen nicht enttäuscht werden möchte. Ein Vergleich zu Ikonen wie Frankenstein und dem Wolfsmenschen ist hier einfach nicht angebracht, da das Phantom ganz andere Wege einschlägt. Dennoch macht ihn das noch lange nicht zu einem schlechten Film, denn gerade das Technicolor Verfahren kann wieder einiges herausreißen. Die Inszenierung bewegt sich hier ohnehin auf einem sehr hohen Niveau, die Ausstattungen sind stets prachtvoll und farbenfroh anzusehen. Außerdem muss man die Kameraarbeit von W. Howard Greene und Hal Mohr loben, die für ihre tollen Kameraschwenks durch die schön anzusehende Oper sogar mit einem Oscar belohnt wurden.

Was schnell ins Auge sticht, ist die Länge des Films von fast 90 Minuten. Was man heutzutage als Standard ansehen würde, war damals für die Verhältnisse von Universal schon ungewohnt. Dennoch muss gesagt werden, dass sich eigentlich nur selten so etwas wie Langeweile breit macht, da "Phantom der Oper" stets mit den verschiedensten Stilmitteln zu variieren weiß. Zum Einen hätten wir da den Handlungsstrang um Claudin, der gleichermaßen dramatisch wie spannend zu verfolgen ist und dem Film einige schaurige, wie aufregende Momente beschert. Ganz egal ob das Phantom nun einen riesigen Kronleuchter sabotiert und diesen in die Zuschauerreihen stürzen lässt, oder ob es Christine in die düsteren Katakomben entführt – wenn das Phantom in Aktion tritt, ist eigentlich immer etwas los. Dem gegenüber steht allerdings der etwas langatmig erzählte Plot um Christine, wobei insbesondere die Sache mit ihren beiden Verehrern etwas nervt. Der Polizeiinspektor Raoul ist ebenso in Christine verliebt wie deren Arbeitskollege Anatole. Dies bringt viele gewollt lustige Szenen mit sich, wenn sich die Beiden vor der hübschen Frau zum Affen machen und etwa alles gleichzeitig sagen oder sich beim hinausgehen aus der Tür gegenseitig den Weg versperren. Dieser Subplot wurde meines Empfindens nach zu sehr ausgebaut, ebenso wie das Opern-Element.

Mir ist schon bewusst, dass ein Film über das Phantom der Oper nicht ganz ohne Musik auskommt, doch hier ist es leider etwas zu viel des Guten. Die Gesangs- und Tanzeinlagen sind prachtvoll in Szene gesetzt und super choreographiert, keine Frage, dennoch sind sie für Zuschauer, die nicht viel mit Oper anfangen können, zu lang ausgefallen. Das nimmt dem Film teilweise die zuvor aufgebaute Spannung, doch auch hier muss ich leider wieder anfügen, dass dies von Universal wohl so gedacht war. Ginge es nach einigen Studiobossen sollte der Streifen wohl gänzlich als Musical erscheinen, doch glücklicherweise hat Regisseur Arthur Lubin auch noch seinen Willen durchgesetzt und wenigstens einige spannende und gruselige Momente eingefügt.

An den Schauspielern gibt es nichts auszusetzen. Alleine schon Claude Rains, der durch die Darstellung des Unsichtbaren bekannt wurde, ist wieder mal ein Highlight, auch wenn er hier, genau wie bei eben genanntem Film, meist maskiert zu sehen ist. Rains spielt den Charakter des alternden Claudin so, dass man durchaus Sympathien für ihn entwickelt und er somit auch keine durchweg böse, sondern eine mehr tragische Figur darstellt.

Susanna Foster war bei den Dreharbeiten gerade 18 Jahre alt und kann nicht nur durch gutes Aussehen, sondern auch ein tolles Gesangstalent überzeugen. Auch die Nebendarsteller sind durchweg gut gewählt, auch wenn sich der Film meist auf seine Hauptakteure konzentriert.

An und für sich ist "Phantom der Oper" sicherlich kein schlechter Film. Allerdings, und hier haben wir das große Kontra, dürften sich Horrorfilmfreunde angesichts der eher langatmigen und dialoglastigen Inszenierung nicht angesprochen fühlen, auch wenn der Streifen mit einigen spannenden und düsteren Momenten aufwarten kann. Im Großen und Ganzen haben wir hier mehr einen dramatischen Opernfilm. Wer sich dessen bewusst ist, der wird mit dieser Verfilmung des Phantoms der Oper sicherlich seine Freude haben.

Bewertung

Splatter Phantom der Oper
Spannung Phantom der Oper
Story Phantom der Oper
Ekelfaktor Phantom der Oper
Atmosphäre Phantom der Oper
Gesamt Phantom der Oper

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