Stephen King’s Sturm des Jahrhunderts

Informationen

OT:Storm Of The Century

ca. 253 Minuten

Kanada, USA 1999

Regie

  • Craig R. Baxley
Darsteller

  • Tim Daly
  • Colm Feore
  • Debrah Farentino
  • Casey Siemaszko
  • u.a.

Stephen King's Sturm des Jahrhunderts

Story

Auf die kleine Insel Little Tall Island zieht ein gewaltiger Jahhundertsturm zu, doch als hätten die 200 Mitglieder der Gemeinde nicht genug damit zu tun, erschlägt ein mysteriöser Fremder (Colm Feore) aus unerfindlichen Gründen eine hilflose, 80 jährige Witwe, die seit Jahren allein in ihrem Haus lebt. Die Bewohner der Insel sind angesichts dieses bestialischen Mordes erschüttert. Auch Mike Anderson (Timothy Daly), der einzige Gesetzeshüter auf Little Tall Island, kann sich auf die Tat keinen Reim machen und nimmt den eigenartigen Fremden fest, der sich ohne jeglichen Widerstand abführen lässt. Während der Sturm immer gewaltigere Ausmaße annimmt, scheint auch von dem Fremden, der sich als Andre Linoge vorstellt, eine dunkle Bedrohung auszugehen. Linoge kennt die dunkelsten Geheimnisse, die tiefsten Abgründe eines jeden Bewohners der kleinen Insel. Als der Bürgermeister von Little Tall Island, Robbie Beals (Jeffrey DeMunn), aufgrund des lebensgefährlichen Sturms den Notstand ausruft und die Gemeinde im Keller des Rathauses versammelt, bleiben Mike und einige andere Männer zur Bewachung des Fremden in der Polizeistation. Schnell stellt sich jedoch die Frage, wer hier wen gefangen hält, denn Linoge führt sein Spiel aus seiner Zelle heraus fort. Vereinzelte Menschen sind plötzlich nicht mehr Herr ihrer Sinne und begehen schreckliche Morde, andere nehmen sich aus unerfindlichen Gründen das Leben. An den Orten des Geschehens ist immer wieder die selbe Nachricht zu lesen: "Gebt mir was ich will und ich werde gehen". Als sowohl das Unwetter, als auch der Fremde immer mehr Opfer fordern, stellt sich für die Bewohner von Little Tall Island nur noch eine Frage: Was verlangt der Unheimliche?

Kritik

Stephen King – Verfilmungen lastet oftmals der Ruf an, dass sie minderwertiger Qualität seien und den Vorlagen des Horror-Meisters ohnehin nicht das Wasser reichen könnten. Da hat "Der Sturm des Jahrhunderts" sicherlich eine Ausnahmeposition inne, schrieb King die Geschichte doch speziell als Drehbuch für die Verfilmung. In Interviews äußerte der Autor zudem wiederholt, dass es sich hierbei um die beste Verfilmung eine seiner Geschichten handelt und wenn man von wirklich gelungenen Streifen wie "The Green Mile", "Die Verurteilten", "Misery" und "Friedhof der Kuscheltiere" mal absieht, dann darf man ihm da sicherlich beipflichten. Obwohl die fürs TV produzierte Mini-Serie sicherlich einen ganz anderen Eindruck macht, handelt es sich hierbei doch um eine ungeheuer atmosphärische und spannende Erzählung, die trotz ihrer anfangs erdrückenden Länge von 253 Minuten niemals langweilig zu werden droht. Für die Inszenierung dieses Werkes war kein anderer als Craig R. Baxley verantwortlich, der sich später mit "Stephen King’s Haus der Verdammnis" und "Stephen King’s Kingdom Hospital" noch einmal zwei ähnlichen Projekten widmete. "Der Sturm des Jahrhunderts" darf jedoch mit Sicherheit als sein persönlicher Meilenstein betrachtet werden, denn dass das Werk im Endeffekt über seine lange Laufzeit so gut funktioniert, dass ist auch Baxley’s souveräner Inszenierung zuzuschreiben. Es ist erstaunlich, dass es einem solchen Mammutwerk gelingt, sein Publikum permanent zu fesseln und den Spannungsbogen konstant oben zu halten. Die Atmosphäre des Werkes ist gigantisch, allgegenwärtig und lässt keine Einbrüche zu, hier gibt es Mystery, Suspense und Spannung von Anfang bis Ende. Die Geschichte ist King-typisch aufgebaut. Dem Publikum werden einige Menschen aus der 200 Seelen-Inselgemeinde näher vorgestellt, zu denen man über die Laufzeit von 4 Stunden irgendwann tatsächlich eine Bindung aufbaut und mit denen man gerne mitfiebert. Hauptcharakter ist der Polizist Mike Anderson, doch auch andere Personen, wie etwa seine Frau Molly, der Hilfssheriff Hatch oder der eigensinnige Bürgermeister Robbie, werden schnell sympathisch und zu wichtigen Leitfiguren durch die Geschichte. Das Unheil schleicht sich dabei erst leise, aber unübersehbar an, man spürt förmlich, dass etwas Schreckliches im Begriff ist, über die beschauliche Inselgemeinde hereinzubrechen. Das typische Kleinstadtleben wird dabei anfangs auch nicht vernachlässigt. Little Tall Island ist eine kleine Gemeinde, in der jeder jeden kennt und in der es tatsächlich noch Werte wie Zusammenhalt zu geben scheint, doch das soll von Linoge später auf die Probe gestellt werden. Die Einführung des Bösen ist schlichtweg als genial zu betrachten. Dem merkwürdigen Fremden haftet sofort eine Aura des Mysteriösen, des Übernatürlichen an, eine fremdartige Bedrohung scheint von ihm auszugehen. Mit seiner ruhigen Art scheint er die Situation zu jedem Zeitpunkt fest im Griff zu haben und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Inselbewohner seinem Willen zu gehorchen haben. Die mysteriösen Ereignisse, die von Linoge ausgehen, scheinen sich mit zunehmender Laufzeit in ihrer drastischen Konsequenz immer mehr zu steigern. Der Fremde, der in der Lage ist, die dunkelsten Geheimnisse jedes Menschen zu ergründen, treibt die Bewohner der Insel alsbald zu entsetzlichen Morden oder vereinzelt in den Freitod, was dabei aber nie zu voyeuristisch vonstatten geht. Die Brutalität von "Sturm des Jahrhunderts" hält sich in Grenzen, das Werk lebt von seiner dichten Atmosphäre und nicht von irgendwelchen blutigen Garstigkeiten. Wer nicht genügend Sitzfleisch für diese, in drei Teile geteilte TV-Mini-Serie mitbringt, der könnte sicherlich das Argument anbringen, dass man die Geschichte auch gut hätte in einen zweistündigen Film packen können. Dem kann man allerdings entgegensetzen, dass "Sturm des Jahrhunderts" auch über vier Stunden bestens funktioniert, zu keinem Moment langweilig wird und die Spannung konstant oben gehalten wird. Ja, die Story ist nicht übermäßig abwechslungsreich und ließe sich in wenigen Worten zusammenfassen, dennoch hat man nach der Betrachtung des Werkes keine Szene in Erinnerung, die deplaziert oder in die Länge gezogen wirkte. Alles nimmt seinen natürlichen Platz in diesem Mammutwerk ein, von der Charakterisierung einzelner Figuren, der langsamen Steigerung der unheimlichen Begebnisse und der schließlichen Forderung des Fremden. Diese ist ebenso einfach wie effektiv: Gebt mir was ich will oder ihr werdet alle sterben. Die Forderung Linoge’s soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden, da die Frage nach ihr einen großen Teil der filmeigenen Spannung ausmacht. Was kann es sein, was ein derart mächtiges Wesen (dessen Herkunft nie wirklich geklärt wird) von einfachen Inselbewohnern haben möchte? Die Auflösung ist letztendlich ebenso einfach und ersichtlich wie erdrückend und stellt die Dorfbewohner vor die wohl schwierigste Entscheidung ihres Lebens. Hier bringt King eine moralische Kopfnuss ein, die der Story plötzlich noch eine gewisse Form von Tiefe verleiht. Der Inszenierung des Dreiteilers ist klar zu entnehmen, dass das Werk fürs TV gedreht wurde, dennoch bringt "Der Sturm des Jahrhunderts" in dieser Hinsicht noch immer ein gewaltiges Niveau mit, an das andere TV-Produktionen erst einmal heranreichen müssen. Den ganzen Film über erlebt der Zuschauer eine Naturgewalt eines Sturms, der jedem Katastrophenfilm zur Ehre gereichen würde. Alles ist in eiskalten Blautönen gehalten, der vierstündige Streifen wirkt alleine schon ob dieser Naturgewalt bedrohlich und düster, hinzu kommt natürlich noch das übersinnliche Treiben des Fremden, was dem Zuschauer letztendlich gar keine Atempause mehr gönnt. Es ist als Kunst zu betrachten, ein derart langes Werk in jeder Minute fesselnd und spannend zu gestalten, doch hier ist es den Verantwortlichen absolut gelungen. Ein Großteil der Schauspieler wurde passend besetzt, vor allem Colm Feore als unheimlicher Fremder macht seine Sache hervorragend. Er schafft es perfekt, seinen Charakter ruhig und überlegt zu verkörpern, ohne dabei eine subtile Bedrohlichkeit vermissen zu lassen, die die Figur übernatürlich und allmächtig wirken lässt. Auch Tim Daly weiß in seiner Rolle des Polizisten zu gefallen, wenn er auch nicht unbedingt die sympathischste aller Figuren spielen darf. Letztendlich trägt ein jeder der Schauspieler seinen Teil dazu bei, dass "Sturm des Jahrhunderts" als Ganzes funktioniert, von jedem Darsteller geht eine eigene Ausstrahlung aus, die ihn wiedererkennbar macht und dem Zuschauer letztendlich reichlich Identifikationsfiguren gibt.

"Der Sturm des Jahrhunderts" ist eine viel zu unterschätzte TV-Produktion, die gleich dem titelgebenden Sturm, eine wahre Naturgewalt an immenser Spannung und erdrückender Atmosphäre entfesselt. Kings Handschrift ist an der Meisterleistung zu erkennen, dieses Werk über vier Stunden lang bestens unterhalten zu lassen und das Publikum bis zur letztendlichen Auflösung vor den Fernseher zu bannen. Dabei wurde an und für sich alles richtig gemacht, die Schauspieler überzeugen ebenso, wie die Effekte, die musikalische Untermalung oder die perfekt ausgefeilte Dramaturgie. Wer also das nötige Sitzfleisch mitbringt, sollte sich diese atmosphärische Meisterleistung keinesfalls entgehen lassen.

Bewertung

Splatter Stephen King's Sturm des Jahrhunderts
Spannung Stephen King's Sturm des Jahrhunderts
Story Stephen King's Sturm des Jahrhunderts
Ekelfaktor Stephen King's Sturm des Jahrhunderts
Atmosphäre Stephen King's Sturm des Jahrhunderts
Gesamt Stephen King's Sturm des Jahrhunderts

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