The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning

Informationen

OT:The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning

ca.96 Minuten

USA 2006

Regie

  • Jonathan Liebesman
Darsteller

  • Jordana Brewster
  • Taylor Handley
  • Diora Baird
  • R. Lee Ermey
  • u.a.

The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning

Story

In einem texanischen Kaff wird in den 30er Jahren ein Baby in einem Schlachthaus zur Welt gebracht, das jedoch von den Eltern nicht gewollt wird und deshalb kurzerhand in einem Müllcontainer landet. Kurz darauf wird es jedoch von einer nach Essen suchenden Frau gefunden, die das kleine Lebewesen kurzerhand mit nach Hause nimmt.

Viele Jahre später, im Sommer 1969, befinden sich vier junge Erwachsene, der 18 jährige Dean Hill (Taylor Handley) und seine Freundin Bailey (Diora Baird), sowie Dean’s Bruder Eric (Matthew Bomer) und dessen Verlobte Chrissie (Jordana Brewster) auf einer Autofahrt durch Texas, da Dean vor kurzem seinen Einzugsbefehl für den Vietnamkrieg erhalten hat und nun auf dem Weg ist, seinen Dienst anzutreten. Eric, der schon einmal in Vietnam war, hat sich sofort dazu bereit erklärt, seinen Bruder zu begleiten, ahnt aber nicht, dass Dean überhaupt keine Lust hat, seinem Einberufungsbefehl nachzukommen.

Während ihrer Autofahrt werden die vier plötzlich auf andere Gedanken gebracht, als sie auf eine Bande angriffslustiger und pöbelnder Rocker treffen. Eine bewaffnete Rockerbraut startet gar den Versuch, Dean, Eric, Bailey und Chrissie auszurauben, wird aber von einem plötzlich auftauchenden Mann in Sheriffuniform (R. Lee Ermey) getötet. Der Fremde, Sheriff Hoyt, erweist sich aber nicht als Retter in der Not, sondern als noch schlimmeres Übel, als er die Jugendlichen unter Waffengewalt entführt und zu einem abgelegenen Farmhaus bringt. Die dort lebende Familie Hewitt ist eine Bande geisteskranker Psychopathen und Kannibalen, für die das frische Menschenfleisch wie gerufen kommt. Als sich dann auch noch der kettensägenschwingende Sohnemann (Andrew Bryniarski) der Hewitt’s vorstellt, der mit Vorliebe die Gesichtshäute seiner Opfer trägt, scheint es, als gäbe es für die vier keinerlei Hoffnung mehr..

Kritik

Ich persönlich hätte niemals gedacht, dass es heutzutage überhaupt noch einmal möglich ist, dass Horrorfilme wie damals in den 70ern oder 80ern nur übelst geschnitten gezeigt werden dürfen. In Zeiten, in denen Streifen wie "Hostel" oder "The Hills Have Eyes" schon als Mainstream-Horror bezeichnet werden und ungeschnitten durchkommen, kann man sich als Horrorfan eigentlich nicht gerade beklagen. Für um so mehr Wirbel hat dann vor einiger Zeit die Gerüchteküche um den Film "The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning" gesorgt, von dem es hieß, dass er von dem Label Warner nur geschnitten ins Kino gebracht werden würde. Natürlich konnte zu dem damaligen Zeitpunkt noch niemand ahnen, wie gravierend die Zensur dann tatsächlich zuschlagen würde. Die "Texas Chainsaw Massacre" Streifen waren noch nie große Lieblinge der FSK, doch "The Beginning" traf es nun leider besonders hart, während Marcus Nispel’s Werk vor drei Jahren kaum Federn lassen musste. Die FSK verweigerte dem Prequel allerdings selbst in der onehin schon um knapp 6 Minuten gekürzten R-Rated Fassung eine Freigabe, weshalb Warner noch einmal kräftig die Schere ansetzen musste. So kommt die deutsche Kinofassung im Vergleich zur gänzlich ungeschnittenen Unrated-Version auf eine Differenz von knapp 13 Minuten, was beinahe unglaublich ist, so liegt der Gewaltgrad des Streifens nämlich nur leicht über dem von "The Hills Have Eyes", welcher bei seinem Kinorelease keine derartigen Probleme hatte.

Durch die starken Schnitte, die die Kinoversion vorzuweisen hatte, erwies sie sich bisher als nicht gerade gewinnbringend. Dennoch machte der Film gerade in Deutschland auf sich reden und dadurch entstand wohl, zumindest hierzulande, schon ein kleiner Hype um das Werk, dem man aber mit Vorsicht begegnen sollte. Wie schon "Hostel" bewiesen hat, werden oftmals die wildesten Gerüchte in die Welt gesetzt, die dann aber auf keinerlei Grundlage basieren. Ich möchte mich jetzt nicht nur über Sinn & Unsinn von Zensur auslassen, sondern "The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning" auch möglichst objektiv als simples Prequel zu "Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre" betrachten, Hype hin oder her. Die Entscheidung, hier die Vorgeschichte von Leatherface und seiner degenerierten Familie zu erzählen, war sicherlich nicht die Schlechteste, doch bereits nach 15 Minuten wird einem hier schnell klar, wie der Hase läuft. Es werden schnell einige noch offene Fragen aus der Vergangenheit der Familie Hewitt angerissen, damit sich der Film die Bezeichnung "Sequel" geben kann, doch was einem im Weiteren erwartet, ist typischer Oldschool-Terror, der einen stark an die bereits bekannten "Texas Chainsaw Massacre" Filme erinnert und im Grunde genommen nichts Neues bieten kann.

Dem Pulbikum wird so erklärt, unter welch fragwürdigen Umständen der kleine Leatherface das Licht der Welt erblickte, wie Charlie Hewitt dazu kam, sich Sheriff Hoyt zu nennen, und schlußendlich, wie Onkel Monty seine Beine verlor, doch das war es dann auch schon. Wer Marcus Nispel’s 2003er-TCM gesehen hat, der wird über diese Antworten dankbar sein, doch nichtsdestotrotz war die Idee, ein Sequel zu drehen, mehr eine Notlösung für die Macher. Es gibt keinerlei Szenen aus der Kindheit von Thomas Hewitt (bzw. Leatherface) zu sehen, was wohl viele Fans sicherlich auch brennend interessiert hätte. Stattdessen gibt es nach den notdürftigsten Erklärungen einfach einen Zeitsprung, und wir befinden uns wieder einmal in einem altbekannten "Texas Chainsaw Massacre" Szenario.

Der Original-Streifen aus dem Jahre 1974, bei dem noch Tobe Hooper Regie führte, ist zurecht ein Klassiker, weil er es noch schaffte, ein Gefühl des Terrors ohne einen einzigen Blutstropfen entstehen zu lassen, Teil 2 war hingegen mehr eine auf lockeres Entertainment ausgelegte Fortsetzung, die mir aber immer noch sehr zugesagt hat. Teil 3 – "Leatherface – Die neue Dimension des Grauens" ließ dann aber schon erste Schwächen erkennen, während die Reihe mit Teil 4 ("Die Rückkehr") ihren absoluten Tiefpunkt erreicht hatte, das Machwerk glich mehr einer filmischen Katastrophe. Michael Bay und Marcus Nispel packten die Thematik dann aber einige Jahre später an einem anderen Schopf an und präsentierten annehmbaren Terror, der jedoch vielen Fans eindeutig zu blutleer war. Für die Anhänger der Reihe dürfte "The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning" nun die absolute Offenbarung sein, da er psychischen Terror mit brutalem Gore vermischt und eindeutig das Härteste darstellt, was uns die Reihe um den kranken Hewitt-Clan bislang geboten hat.

Es war eigentlich stets lachhaft, wie die Reihe in Deutschland zensiert und aus dem Verkehr gezogen wurde, da sie ihrem Namen nie so ganz gerecht werden konnte. Von einem Massaker war noch in keinem der vorangegangenen fünf Filme etwas zu sehen, doch das hat sich nun geändert. Regisseur Jonathan Liebesman hätte ich nach seinem schwachen Mainstream-Gruselfilmchen "Der Fluch von Darkness Falls" in keinster Weise eine derartige Schlachtplatte zugetraut, wie er sie hier serviert. Natürlich möchte ich an dieser Stelle nicht übertreiben und "The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning" als den ultimativen Splatterfilm bezeichnen, doch wenn man bedenkt, dass so etwas mittlerweile für ein breites Publikum gedreht wird, dann ist das schon äußerst erstaunlich. Derartigen Gore gab es bis vor kurzem lediglich in B-Movies und im Independent-Sektor zu sehen, nach Streifen wie "The Hills Have Eyes" und "Saw 3" ist "TCM – The Beginning" nun die nächstmögliche Steigerung. Zum ersten Mal in der Geschichte der Filmreihe kommt die Kettensäge nun endlich so zum Einsatz, wie es der Titel verspricht: Da werden Opfer gnadenlos in der Mitte durchsägt, anderen wird gar die Gesichtshaut abgeschnitten oder blutig die Kehle geöffnet. Blut spritzt hier durchaus exzessiv, im Gore-Vergleich wirkt der Film aus dem Jahre 2003 wie harmloses Kinderprogramm.

Was "The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning" aber so brutal macht, ist die gnadenlose Unbarmherzigkeit, in der einem die Perversitäten hier um die Ohren gehauen werden. Während "Hostel" beispielsweise durch seinen nicht ganz ernstzunehmenden Anfangsteil noch beruhigen konnte, herrscht hier von Anfang an eine menschenverachtende Atmosphäre. Der Streifen nimmt sich selbst zu jedem Zeitpunkt ernst und bringt kein bisschen Humor mit. Nicht selten wird man mit Momenten puren Terrors konfrontiert, die einen in ihrer Intensität nicht mehr so schnell loslassen. Gerade durch die absolut geisteskranke, aber nicht übertrieben lachhaft dargestellte Art von Sheriff Hoyt und Leatherface, die die Hauptcharaktere extremer Folter aussetzen, ist der Streifen nicht für schwache Nerven geeignet. Die Goreszenen an sich alleine genommen hätten sicherlich nicht für einen derartigen Wirbel gesorgt, würden sie nicht noch von der absolut aussichtslosen und pessimistischen Atmosphäre unterstrichen werden.

Wer etwas zu kritisieren sucht, wird andererseits schnell fündig werden, denn die Story ist im Prinzip ein haargenauer Abklatsch bereits bekannter Motive. So sind manche Szenen sogar direkt aus den Vorgängern übernommen, und nur leicht abgeändert worden, wie etwa die Verfolgungsjagd inklusive ratternder Kettensäge oder das Abendessen am Tisch. Dennoch werden auch diejenigen, die alle Vorgänger kennen, hier keineswegs gelangweilt, da einen der Streifen durch seine unausweichlich brutale Art schnell selbst auf die Folter spannt und stets mitfiebern lässt. "The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning" verfügt über zahlreiche Spannungsmomente und lebt, anders als "Saw 3", nicht nur vom Ekelfaktor allein.

Was das Inszenatorische betrifft, haben wir hier wieder einmal ein Highlight. Die 16 Millionen Dollar Produktionsbudget wurden richtig angelegt, denn auch hier fand wieder die unverkennbare Optik aus "Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre" ihren Einsatz, die das Geschehen mit einer gewissen Kühle und Sterilität unterstreicht. Ansonsten: Schnitte, Sound, Kulissen, alles befindet sich auf Bestniveau. Selbst an den Schauspielern habe ich in diesem Fall nichts auszusetzen. Die Charaktere sind sympathisch angelegt und sorgen dafür, dass man mit ihnen mit leidet, was bei einem derartigen Film eine unerlässliche Pflicht ist. Anders, als bei diversen anderen Machwerken, bei denen es einem egal ist, wer zunächst getötet wird, hofft man hier tatsächlich auf ein Überleben der Hauptfiguren. Ein schauspielerisches Highlight ist R. Lee Ermey, den man noch bestens aus "Full Metal Jacket" kennt und der bereits im 2003er Kettensägenmassaker den brüllenden, geisteskranken Hoyt verkörperte. Dies erledigt er in diesem Film mit fast noch mehr Wahn, was ihn nur noch unheimlicher und gefährlicher wirken lässt.

"The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning" wird seinem Titel endlich gerecht und serviert der Horrorfilmgemeinde eine blutige, spannende und fesselnde Schlachtplatte, die sich sehen lassen kann. Jonathan Liebesman hat hiermit bewiesen, wie moderner, brutaler Horror auszusehen hat und daran werden sich bald erscheinende Machwerke wie "Hostel 2" oder "The Hills Have Eyes 2" erst einmal messen müssen. Natürlich ist die Bezeichnung "Sequel" im Grunde genommen nur eine Rechtfertigung für eine weitere Möglichkeit, Geld zu machen, und natürlich erzählt Liebesman hier keine neue Geschichte, doch von diesen Mängeln abgesehen ist "The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning" pures Terrorkino, wie es sein sollte. Für mich jedenfalls war dies der definitiv beste "TCM" Teil bisher.

Bewertung

Splatter The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning
Spannung The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning
Story The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning
Ekelfaktor The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning
Atmosphäre The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning
Gesamt The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning

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