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Dass
Horror-Kultregisseur Stuart Gordon ein gewisses Faible für Verfilmungen
berühmter, literarischer Werke hat, ist längst kein Geheimnis mehr.
Während er sich in der Vergangenheit jedoch vorzugsweise den Schriften H.P.
Lovecraft's widmete, entschloss er sich für die zweite Staffel der
erfolgreichen "Masters of Horror" Reihe überraschend dazu, eine
Vorlage Edgar Allan Poe's in den Kasten zu bringen. Seine Wahl fiel dabei
auf eine von Poe's berühmtesten Geschichten, "The Black Cat",
welche bereits im Jahr 1990 von dem italienischen Filmemacher Dario Argento
aufgegriffen und für das zweite Segment des Episoden-Horrorfilms "Two
Evil Eyes" verwendet wurde. Dennoch dürften die meisten Genre-Fans
ihre Erwartungen nach Gordon's Ankündigung recht hoch angesetzt haben,
vergab er die Hauptrolle doch wie so oft an seinen Stamm-Schauspieler
Jeffrey Combs, der sich mittlerweile auch als eine Art Ikone des
Horror-Genres bezeichnen darf.
In der Vergangenheit
konnte im Grunde nie viel schief gehen, wenn Gordon eine berühmte
Horror-Vorlage verfilmte. "Re-Animator" hat mittlerweile
Klassikerstatus und auch Filme wie "From Beyond" oder
"Dagon" stehen in der Regel durchaus in der Gunst der Fans.
"The Black Cat" gelingt es zwar leider nicht so recht, in die
Fußstapfen dieser namenhaften Produktionen zu treten, im Kontext der
durchschnittlichen "Masters of Horror" Qualität lieferte der
Regisseur dann aber doch noch einen immerhin brauchbaren Beitrag ab, der
zwar nicht bei jedem Horrorfilm-Anhänger auf Anklang stoßen wird, im Kern
aber viele interessante Ansätze mit sich bringt.
Die Geschichte des
gut einstündigen Films vermischt durchaus gekonnt Fakt und Fiktion und
bringt dem Publikum auf kurzweilige Art die Entstehungsgeschichte der
titelgebenden Poe-Kurzgeschichte näher. In der Hauptrolle sehen wir einen
gewohnt schrägen Combs, der seinem Vorbild durch falsche Nase und
identischem Haar überraschend ähnlich sieht und daher eine überzeugende
Darbietung des Schriftstellers gibt. Die Handlung folgt einer Zeit im Leben
des Schriftstellers, in der ihn jedes Glück zu verlassen scheint. Poe eilt
der Ruf eines Trinkers voraus, er lebt am Rande der Armut, seine Frau ist
schwer krank. Über große Teile des Films bekommt der Zuschauer keinen
typischen Horrorfilm geboten, sondern erhält vielmehr einen Einblick in
Poe's Leben, der nur stellenweise durch gelegentliche Wahnvorstellungen
surrealistische Züge erhält.
Vor allen Dingen in
der Darstellung der damaligen Zeit fährt Gordon ein gewisses Maß an
Realismus auf. Die Kleidung und das Verhalten der Personen wirkt
authentisch, das Bild selbst blass und altmodisch. Dadurch fühlt man sich
schnell ein Jahrhundert zurückversetzt. Dennoch kann nicht verleugnet
werden, dass Gordon hier im Grunde keinen Film für den geselligen
Horrorfilmabend inszenierte, sondern der Vorlage nahe blieb und vielmehr ein
interessantes Portrait von Poe ablieferte, das zwar gut unterhält, dabei
aber nur selten auf Genre-Konventionen angewiesen ist. Wirkliche Schreck-
oder Horrorszenen lassen sich locker an einer Hand abzählen und wirken
beinahe schon gezwungen eingefügt, um der Fangemeinde zumindest noch
ansatzweise das bieten zu können, was diese sehen will. Die Freigabe ab 16
Jahren ist deshalb auch nicht weiter verwunderlich, da die Gewalt meist an
Tieren ausgeübt wird und der einzige Mord an einem Menschen, bei dem eine
Axt ihr neues Zuhause im Gesicht einer jungen Frau findet, zudem nicht
sonderlich realistisch wirkt.
"The Black
Cat" ist eine zweischneidige Angelegenheit. Der typische Horrorfilm-Fan
oder "Masters of Horror" Verfolger dürfte von Stuart Gordons
Edgar Allan Poe Verfilmung leicht enttäuscht werden. Wer sich hingegen für
den großen Schriftsteller interessiert und sich auch an den ein oder
anderen unappetitlichen Szenen nicht stört, dürfte hier wesentlich besser
aufgehoben sein. Eine einmalige Sichtung lohnt sich im Falle dieses Films
durchaus, einen Kauf ist er dann allerdings vielleicht doch nicht wert. |