|
Amerikaner
Elliot ist auf Geschäftsreise in Europa unterwegs. Er hat seiner Frau
gerade noch eine Mitteilung per Telefon hinterlassen, als er von hinten
überwältigt wird. Später wacht er in einer Wohnung auf. Die Wohnung ist
geräumig, hell und sauber, verfügt allerdings über keinerlei Ausgang.
Elliot erfährt wenig später, dass er als Geisel gehalten wird.
Stellvertretend für sein Land. Er soll exemplarisch für die verfehlte
Außenpolitik seiner Heimat gerade stehen. Deswegen wird ihm erzählt, dass
er bestraft werden soll. Ihm soll das genommen werden, was ihm am liebsten
ist: Seine Sinne. Und zwar dauerhaft. Der erste von fünf Schritten lässt
auch nicht lange auf sich warten. Elliot verliert seinen Geschmacksinn durch
ein Bügeleisen. Und dabei schauen Millionen von Internetusern zu, die
mittels Spenden über das weitere Wohl des Amerikaners abstimmen können.
Die Quoten sprechen eine eindeutige Sprache. Es sieht nicht gut für Elliots
Zukunft aus. Doch er hat eine wage Hoffnung: Eine der Terroristen bietet ihm
unterschwellig Hilfe an... |
|
Das Internet, grenzenlose Weiten. Wir
schreiben das Jahr 2008.
Der 34jährige Regisseur Simon Hynd
hat offensichtlich die Weiten durchsucht und etwas Abseits des WWW etwas
gefunden, was es in dieser Form noch nicht online gibt: Den Terrorismus in
seiner voyeuristischer und geldgeilen Art. Ein amerikanischer Geschäftsmann
soll für die Sünden seines Landes büßen. Und alle gucken zu. Die Idee
ist interessant und bietet eine Menge Potential. Was daraus gemacht wurde
ist sehenswert. Die Idee zum Film stammt aber nicht von Regisseur Simon
Hynd alleine. Er hatte eine Vorlage mit gleichem Titel, die die Autorin
Stona Fitch zu Papier brachte.
Man
soll eigentlich nicht meinen, dass so etwas funktioniert. Denn der Großteil
des Films spielt in einer überschaubaren Kulisse ab. Mit lediglich einem
Protagonisten. Doch das Team um Simon Hynd hat wirklich eine gute Arbeit
geleistet. Mit Rückblenden aus dem Leben der Hautfigur Elliot, mit
vereinzelten Besuchen von Terroristen und mit nicht zu verachtenden Folter
und Ekelszenen wird stets für Abwechslung gesorgt. Langeweile ist hier,
trotz der wenig üppigen Handlung, ein Fremdwort. Mit wenig Geld wurde etwas
sehr unterhaltsames geschaffen.
Der Realismus ist beachtlich. Man kennt es aus dem Medien, dass immer wieder
Terroristen das Internet für sich und ihre Ideologien missbrauchen. Hier
sind es zwar nicht die langbärtigen Übeltäter, auf die sich sonst alles
konzentriert, von den Rollen der politisch motivierten Kriminellen geht aber
doch eine Menge krimineller Energie aus. Und das, obwohl die recht
unbekannten Darsteller nicht mal perfekt agieren. Sie geben offensichtlich
ihr bestes, um das Gelingen des Films zu fördern, können aber nicht immer
überzeugen. Hauptdarsteller Jason Behr („Roswell“, „The Grudge –
der Fluch“) zeigt gerade in den Anfangsszenen Schwächen, wird aber zum
Glück, je schlechter es seiner Rolle geht, besser.
Die Folterszenen sind immer wieder die Höhepunkte in „Senseless – Der
Sinne beraubt“. Wie man dem filmischen Untertitel entnehmen kann, geht es
gut zur Sache. Der Ekelfaktor ist sehr hoch. Und auch die Spannung
respektive der Nervenkitzel kommt nicht zu kurz. Die Atmosphäre ist nicht
sehr dicht. Versprüht aber verstörende Momente. Gerade zum Schluss. Auf
den hier aber nicht näher eingegangen werden soll.
Die mittransportierte Sozialkritik stellt ebenfalls einen Höhepunkt dar. In
ausgefeilten Dialogen wird dem Opfer der Standpunkt der Täter vermittelt.
Und dies durchaus nachvollziehbar. Es fällt einem schwer, Sympathien für
das Opfer aufzubauen. Auch wenn es ihm ganz schön an den Kragen geht. Was
klar ist, ist das man nicht in Elliots Haut stecken möchte. Gefoltert wird
glücklicherweise nicht im Detail. Das wäre wohl auch nur schwer zu
ertragen. Die einzelnen Szenen sind an sich schon fies genug und dürften
dafür sorgen, dass nicht wenige den Kopf vom Betrachtungsgerät abwenden,
wenn es zur Sache geht. Trotz der Gemeinheiten kann sich „Senseless –
Der Sinne beraubt“ von Filmen absetzten, die man aufgrund der Thematik mit
ihm vergleichen würde. „Hostel“, „Wolf Creek“ und Konsorten sind
auf jeden Fall anders.
Das
die Internetgemeinde die Entscheidungen fällt, die sie fällt, muss man
hinnehmen. Im Film wird nicht direkt auf die externen Machenschaften
eingegangen. Man bekommt es nur von den Terroristen vermittelt. Hier hätte
man sicherlich etwas ausschweifender werden können. Denn die Idee an sich
ist sehr interessant.
Unterm Strich hat man es hier mit einem sehr guten Film zu tun, der mit
einer neuen, guten Idee daherkommt. Darsteller, die Kamera und die
Atmosphäre hätten sicherlich etwas besser sein können, diese Tatsachen
ändern aber nichts daran, dass man „Senseless – Der Sinne beraubt“
nach der Betrachtung gut in Erinnerung behalten wird. Diese Erinnerungen
werden zum Beispiel dann abgerufen wenn man durchs Internet surft, oder auch
nur einen Teelöffel benutzt... |