Die Totenkopf-Insel

Informationen

Verlag: Lübbe

ca. 47 Minuten

Deutschland 2000

RegieOliver Döring
Sprecher

  • Frank Glaubrecht
  • Joachim Kerzel
  • Karl-Heinz Tafel
  • Birgitta Weizenegger
  • u.a.
Die Totenkopf-Insel

Story

Montag, 23:55 – 2 Meilen südlich von Devontown, England "Suche unabhängige Menschen mit Hang zum Risiko. Bezahlung außergewöhnlich gut." Wer könnte bei einer derartigen Zeitungs-Annonce schon wiederstehen? Die kleine Gruppe unterschiedlicher Menschen, die sich bei peitschendem Unwetter auf einem abgelegenen Landeplateau an der Küste eingefunden hatte, konnte es jedenfalls nicht. Nervös wartet die Gruppe auf einen Helikopter, der sie abholen und zum Verfasser der Zeitungsmeldung bringen sollte. Als die sich untereinander völlig fremden Menschen dann kurz darauf endlich im Helikopter sitzen, kämpft sich die Maschine über 20 Minuten durch den peitschenden Sturm. Doch plötzlich wird der Flug ruhiger, und ein riesiges, rotes Etwas tut sich am Firmament auf. Ein Totenschädel – ein gigantischer, schwebender Totenschädel, der sein Maul aufhält und den Helikopter geradewegs verschluckt… Dienstag, 8:55, Airport – London Am Airport verabschiedet sich John Sinclair von der jungen deutschen Marina Held, die um ein Haar das Opfer dreier Vampirschwestern geworden wäre. Nach dem charmanten Gespräch begibt sich John in sein Büro und wird dort sogleich von seinem Vorgesetzten Sir James, sowie von Colonel Riker vom Secret Service empfangen. Riker erklärt John, dass einer seiner Männer vor kurzem die seltsamen Geschehnisse auf einer Insel namens Proctor Island aufdecken sollte. Alles was man kurz darauf von ihm fand, waren Tonbandaufnahmen, die die erschütternden, letzten Momente des Agenten wiedergaben, der scheinbar einen schrecklichen Tod fand. Die mysteriöse Insel gehört dem weltweit bekannten Industriellen Basil Proctor. Proctor ist ein verkrüppelter Millionär, der sich vor gut 2 Jahren vollkommen unerwartet aus seinen Geschäften zurückzog und seitdem nur noch auf dieser Insel lebt. Riker bittet John nun darum, sich die Insel mal genauer anzusehen. Dienstag, 16:33 – Plymouth John möchte zuerst das Anwesen Proctor’s genauer unter die Lupe nehmen. Da Überwachungsanlagen für jemanden vom Yard natürlich kein Hindernis darstellern, gelangt John auch problemlos in dieses, trifft dort allerdings auf einen übellaunigen Piloten, der ihm eine Pumpgun unter die Nase hält. Nur knapp schafft es John, den Mann zu überlisten und dem Tod um Haaresbreite zu entgehen. Nun ist er es, der die Fäden in der Hand hat und den Piloten, Rick Terry, dazu zwingt, ihn auf die unheilvolle Insel zu bringen. Doch was John dort erlebt, soll seine kühnsten Vorstellungen übertreffen. Ein uralter Fluch erfüllt sich und die untote Mannschaft eines verfluchten Piratenschiffs erhebt sich aus ihrem nassen Grab…

Kritik

Wenn ein Künstler seinen Weg zur vollständigen Perfektion finden möchte, braucht er Zeit – sollte man meinen. Nicht so Oliver Döring, seines Zeichens verantwortlich für Tontechnik, Produktion, Buch und Regie der John Sinclair 2000 Hörspiel-Edition. Nachdem er und sein Team mit "Im Nachtclub der Vampire" bereits eine beachtliche Arbeit hinlegten, zauberten sie mit der zweiten Hörspiel-Folge "Die Totenkopf-Insel" sogleich ein kleines Meisterwerk, das vielleicht sogar in die Top 5 der gesamten Reihe einzuordnen ist. Obwohl hier noch nicht einmal alle wichtigen Charaktere eingeführt wurden und sich der Hörer erst noch in die Sinclair-Welt einschnuppert, legen die Verantwortlichen dieser tollen Hörspielserie die Messleite bereits bei der zweiten Folge verdammt hoch an. Nachdem "Im Nachtclub der Vampire" bis auf das Stamm-Ensemble Frank Glaubrecht und Joachim Kerzel kaum richtig bekannte Sprecher zu bieten hatte, trumpft der zweite Teil der Reihe hier voll auf. Udo Schenk durfte hier zum ersten Mal für ein Sinclair-Hörspiel sprechen und macht sogleich klar, wieso er zu den besten seiner Zunft gehört. Der Synchronsprecher von Stars wie Kevin Bacon oder Ray Liotta spricht den fiesen Piloten Rick Terry absolut fantastisch, so dass man sich bereits jetzt auf noch viele weitere Auftritte dieser tollen Stimme innerhalb der Sinclair-Hörspielreihe freuen darf. Auch hält eine weitere, überaus markante Stimme Einzug ins Sinclair-Universum: Jochen Malmsheimer. Mit seiner absolut eigenwilligen und unverkennbaren Stimme gibt er den fiesen Sadisten Basil Proctor unnachahmlich gut. Es scheint, als habe der verkrüppelte Multimillionär alle Menschlichkeit hinter sich gelassen. Um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen, lässt er gewissenlos Menschen entführen und töten und kommentiert dies zuweilen noch mit verspottenden und herablassenden Aussagen. Ein traumhafter Bösewicht. Jochen Malmsheimer wird in späteren Folgen noch als Ghoul Grimes und als Belphegor zu hören sein. Auch ansonsten bekommt man wieder 1A-Hollywoodkino für die Ohren geboten. Die Nebenrollen wurden mit vielen Sprechern besetzt, die fortan zum festen Repertoire der Hörspiel-Reihe gehören sollten und einem schnell altbekannt und liebgewonnen erscheinen. Frank Glaubrecht wird dem Hörer als Sinclair immer sympathischer und schafft es, einem durch seine ironischen Sprüche durchaus mal ein Lachen zu entlocken ("Wenn das wahr ist, lasse ich Ihnen bei lebendigem Leib die Haut abziehen!" "Aber bitte vorher die Hände waschen, sonst bekomm ich noch Entzündungen.") Er und Erzähler Joachim Kerzel sind in gewohnter Topform und machen die 47 Minuten Laufzeit zum Genuss. "Die Totenkopf-Insel" setzt sehr stark auf Atmosphäre, was sich schon in den ersten Minuten verdeutlicht. Dem Hörer wird eine kleine Menschengruppe vorgestellt, die von dem Piloten Rick Terry zu Proctor Island gebracht werden, ein Flug, der direkt durch das Maul eines riesigen Totenschädels führt. Durch die im Hintergrund schäumenden Wellen und den tosenden Sturm kann man sich sofort in die Situation hineinfühlen und wird kurz darauf in ein absolutes Schreckensszenario geworfen. Auf Proctor Island werden Menschen wie Sklaven gehalten und sollen einer Mannschaft untoter Piraten geopfert werden, als Ausgleich soll der an den Rollstuhl gefesselte Basil Proctor seine Gesundheit zurückerlangen. Sehr detailliert wird die Situation der Menschen geschildert, in der sie sich fortan befinden. Dabei wird es nicht selten durchaus unheimlich, etwa wenn einer der Gefangenen einen Fluchtversuch durch die Lüftungsschächte wagt und am Strand von unsichtbaren Wesen abgeschlachtet wird. Als die anderen kurz darauf ein Geräusch im Lüftungsschacht vernehmen und angestrengt lauschen, landet plötzlich der abgetrennte Kopf des Mannes zwischen ihnen. Derlei Szenen erzeugen beim Hörer eine Gänsehaut, die Atmosphäre ist ein wichtiger Bestandteil dieser Folge. Musikalisch und effektetechnisch ist auch "Die Totenkopf-Insel" wieder auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Eine stets passende Geräuschkulisse lässt das Hörspiel lebendig werden, sei es nun der Raketenangriff auf einen Helikopter oder der Wellengang auf hoher See, hier stimmt alles. Als sich dann im Finale das Schiff der untoten Piratencrew aus den eisigen Fluten hebt und dazu epische Choräle ertönen, dann sind das Momente, die selbst der beste Hollywood-Blockbuster nicht besser vermitteln könnte. Alles in allem gibt es an "Die Totenkopf-Insel" einfach nichts auszusetzen. Die Situation auf der Insel erscheint stets sehr düster, beklemmend und aussichtslos, während John bei seinen Ermittlungen und seinem Erlebnis mit Rick Terry mal wieder für eine amüsante Auflockerung sorgt. Einzig das abrupt endende Finale dürfte für manche vielleicht einen Tick zu unausgegoren sein, denn mit einer einfachen Aktion ist der ganze Spuk beseitigt. Den Showdown hätte man sicherlich noch etwas ausführlicher vermitteln können. Besser kann ein Hörspiel nicht inszeniert werden. "Die Totenkopf-Insel" ist absolut atmosphärisch, beklemmend und zieht den Hörer durch seine schlichtweg perfekte Geräuschkulisse zu jedem Zeitpunkt unweigerlich in ihren Bann. Mit Udo Schenk und Jochen Malmsheimer finden hier sogar zwei der besten Sprecher der gesamten Reihe zueinander und liefern absolute Glanzleistungen ab. Ohnehin muss gesagt werden, dass die Sprecherauswahl schon einiges ausgefeilter als in der ersten Folge wirkt, jede Nebenrolle ist treffsicher und fabelhaft besetzt. "Die Totenkopf-Insel" ist einfach durchgehend spannend, unterhaltsam und abwechslungsreich und stets mit einem gewissen Grad Grusel versehen und so darf hier vom ersten, richtigen Highlight in der John Sinclair Hörspielserie gesprochen werden. Review by Crapkeeper Sprecher Akustik Spannung Story Horrorfaktor Gesamt Zurück zur Audiobook-

Übersicht

Bewertung

Sprecher Die Totenkopf-Insel
Akustik Die Totenkopf-Insel
Spannung Die Totenkopf-Insel
Story Die Totenkopf-Insel
Horrorfaktor Die Totenkopf-Insel
Gesamt Die Totenkopf-Insel

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