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Jenny
und Steve wollen ein romantisches Wochenende in der Natur
verbringen. Das Ziel lautet Eden Lake, ein großes Waldgebiet mit
einem traumhaften See. Dort angekommen, genießen sie die Wildnis.
Zumindest so lange, bis so von einer Gruppe Jugendlicher und deren
Hund gestört werden.
Während
Jenny keinen Streit haben will, geht Steve aggressiver zur Sache.
Er will sich von den Halbstarken nicht den Schneid abkaufen
lassen. Die Lage beruhigt sich wieder, bis Steve und Jenny ihren
Standort verlassen wollen. Jemand hat ihnen eine Schnapsflasche
unter den Reifen ihres Autos gelegt, die beim zurücksetzen das
Rad aufschlitzt. Steve wird zunehmend wütender, was sich als
folgenschwere Emotionsschwäche herausstellen soll… |
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Hart,
härter, am härtesten. In den letzten Jahren hat der Horror-Film
eine brutale Entwicklung gemacht. Nach Jahren der willkürlichen
Beschlagnahme und der Schnippellei wurde mir Filmen wie „Saw“,
„Hostel“ und Konsorten eine härte Gangart eingelegt. Viele
sprechen sogar von der Erschaffung eines neuen Subgenre, dem
(postmodernen) „Terrorfilm“ (Den es ja eigentlich immer schon
gab). Und dann, wenn man denkt das neue Untergenre so richtig
ausgelutscht zu haben, kommt ein neuer Beitrag daher, der böser
scheint als alle seine Vorgänger zusammen.
Und das nicht mit irgendeiner daher geholten Geschichte, die der
Realität fern ist, sondern mit einem aktuellen Thema, welches
momentan immer mehr in den Fokus rückt: Der Jungendkriminalität.
In Zeiten von Skandal-Rappern, Leichen in den Nachrichten, Pornos
auf dem Handy und Bandenbildungen in Schulen, scheinen die
Jugendlichen der heutigen Zeit zu verrohen. Zumindest medial und
verbal. Und genau in diese Kerbe schlägt „Eden Lake“.
Die Geschichte beginnt eigentlich ganz gemütlich, ganz entspannt.
Man darf ein Liebespärchen beim relaxen beobachten. Sie haben
sich für das Wochenende etwas Entspannung vorgenommen und wollen
diese in Zweisamkeit ausleben. Bis es dann zum Treffen mit den
Kids kommt. Eine Kehrtwende im Film. Die Geschichte ist sicherlich
nicht überaus ungewöhnlich für das geschulte Horror-Auge, sie
funktioniert aber mitsamt ihren Komponenten erstaunlich gut.
Was man „Eden Lake“ zu gute halten muss, ist sein Realismus.
Man hat nie den Eindruck, als könne sich das Gezeigte nicht
wirklich so abspielen. Kleine Ausnahmen bestätigen natürlich die
Regel. Die Kulissen sind gut gewählt. Und das schöne dabei ist,
dass es nicht irgendwo in West Virginia, in Texas oder sonstigen
Orten mit vermehrtem Redneck-Vorkommen abspielt, sondern quasi vor
der Haustür. In einer ländlichen Gegend in England.
Regie-Neuling James Watkins zeigt uns, dass Terror auch ohne
den sonstigen Horror-Nährboden auskommt. Man braucht keinen
maskierten Killer, keine degenerierten Rednecks und keinen
Monster-Mann. Der böse Junge im Film ist noch in seiner
Entwicklung zum Bösewicht. Was ihn zum Gewalttäter macht bleibt
dem Betrachter verschlossen. Durch einen Blick in sein Milieu kann
man es nur erahnen. Die unglaubliche Brutalität und sein
Nihilismus bleibt nicht ohne Wirkung auf den Zuschauer. Man wünscht
sich sicherlich nicht viele Situationen aus Horror-Filmen, in die
man geraten möchte, doch ganz sicher nicht in diese hier.
Mit zunehmender Zeit steigert sich der Terror. Lässt die
erwachsenen Protagonisten von einer aussichtlosen Situation in die
nächste geraten. Mit stetig steigender Panik-Kurve. Als Zuschauer
ist man da froh über jede kleine Atempause. Alles ist so real,
ist so deprimierend und so erschreckend, dass man gar nicht weiß,
ob man dem Treiben bis zum Ende beiwohnen möchte. Aber man muss
natürlich.
Das man bei der Stange bleibt, ist sicherlich auch den Darstellern
zu verdanken, die durch die Reihe einen guten Eindruck
hinterlassen. Am schwächsten fällt noch die Beurteilung von dem
deutschen Schauspieler Michael Fassbender („300“) aus, dessen
Rolle als Liebespartner, Moralapostel und Folteropfer ihm aber
auch nicht allzu viel abverlangt. Kelly Reilly kann als weiblicher
Racheengel und Vielgejagte mehr von ihrem Können preisgeben. Sie
schafft es vor allem ihre Emotionen, deren Bandbreite groß ist,
authentisch zu transportieren. Auch die Kinder-Bande mit ihrem 17jährigen
Anführer wirkt größtenteils sehr authentisch, sodass man es
unweigerlich mit der Angst zu tun bekommt.
Die Charaktere sind nicht sonderlich ausgelutscht worden. Sie
werden eher oberflächlich behandelt. Nur auf die Hauptfigur Jenny
wird etwas intensiver eingegangen. Beispielsweise als der Pädagogin
förmlich die Hände gebunden sind, als sie auf dem Weg in den
Urlaub unbeteiligt mit ansehen muss, wie ein Kind geschlagen wird.
Allerdings reicht dies aus, um zum einen ein ausreichendes Bild zu
zeichnen und zum anderen eine Sozialkritik im Streifen
unterzubringen. Die Halbstarken im Film erinnern sicherlich nicht
unbeabsichtigt den brutalen Jugendbanden in London, in denen
schwarz, weiß, männlich, weiblich und natürlich auch Messer und
Handys vertreten sind.
Da das Waffenarsenal begrenzt ist und keine überflüssigen
Kinkerlitzchen wie Fallen oder sonst etwas eingebaut wurden, hält
sich der Splatter-Pegel in Grenzen. Allerdings ist das Gezeigte
nicht zu unterschätzen. Es wird zwar nicht explizit mit der
Kamera draufgehalten, aber bei Zuschauern mit flauem Magen, könnte
die ein oder andere Szene Brechreiz auslösen.
Eigentlich müsste man an dieser Stelle auch noch auf das Ende
eingehen. Aber Leuten, die den Film noch nicht gesehen haben, soll
hier nicht zuviel verraten werden. Wenn man das Unerwartete
erwartet, dürfte man aber für diesen Film gerüstet sein.
„Eden
Lake“ ist ein durch und durch böser Film, der kurzweilig,
sozialkritisch und sehr brutal daher kommt. Spannung und die
Atmosphäre sind ebenso pässlich vertreten wie eine gute Location
und ordentlich zusammengestellte Musik. Der Mix passt also und
sorgt mit dem Geschehen dazu, dass „Eden Lake“ nachhaltig im
Gedächtnis bleibt. Ohne Frage. |