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Im fünften Monat
ihrer Schwangerschaft hat Sarah (Alysson Paradis) einen Autounfall, den sie
und ihr Ungeborenes zwar überleben, nicht aber ihr Ehemann Matthieu
(Jean-Baptiste Tabourin). Vier Monate später, am Tag vor der Geburt ihres
Babys, ist Sarah noch immer nicht über das Ereignis hinweg und kann sich
auch nicht so recht auf die bevorstehende Geburt freuen. Obwohl alle anderen
Weihnachten feiern, zieht sich die junge Frau am Vorabend des großen
Ereignisses alleine in ihre Wohnung zurück, um den Tag in Ruhe ausklingen
zu lassen.
Am
späten Abend klopft es plötzlich an der Tür und eine Unbekannte
(Béatrice Dalle) fordert Einlass. Ihr Auto habe eine Panne, weshalb sie
kurz telefonieren müsse. Sarah hat in diesem Augenblick jedoch keinen Nerv
für Gesellschaft und weist die Fremde von dannen, die jedoch kurze Zeit
später wieder auftaucht und die Scheibe der Verandatür demoliert.
Verängstigt verständigt Sarah die Polizei, die kurz darauf auch eintrifft
und das Grundstück vergebens absucht. Beruhigt und in der Gewissheit, dass
die Fremde nun verschwunden ist, legt sich Sarah schlafen, nicht ahnend,
dass sich die Psychopathin längst in ihrem Haus befindet. Alsbald offenbart
sich auch der wahre Grund ihres Handelns - die Fremde will, was in Sarah
heranwächst und ist bereit, dafür über Leichen zu gehen... |
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Obgleich sich
Hollywood derzeitig auf einer Art Vormarsch befindet und uns in
regelmäßigen Abständen ein ums andere Mal einen neuen Folterfilm
vorsetzt, so ist es doch ein ganz anderes Land, das unter Genre-Kennern
längst über seinen Status als Geheimtipp hinausgewachsen ist und bei
vielen an erster Stelle steht, wenn es um hochwertigen, gorehaltigen Horror
geht: Frankreich. Was von Filmemachern wie Gaspar Noé und Alexandre Aja
losgetreten wurde, hat sich mittlerweile zu einer regelrechten Welle der
Euphorie entwickelt. Der französische Horrorfilm befindet sich ganz
gewaltig auf dem Vormarsch, jede Neuankündigung löst einen regelrechten
Hype aus und wird von den Fans bereits lange im Voraus herbeigesehnt. Galt
bislang noch Aja's fantastischer "High Tension" als die Messlatte
des derzeitigen Harcore-Horrors, der in Sachen Gewalt bis dato undenkbare
Dimensionen beschritt, so dürfte gerade in der nun kommenden Zeit starke
Konkurrenz erscheinen. Mit Xavier Gens' "Frontier(s)", Pascal
Laugier's "Martyrs" und Alexandre Bustillo's und Julien Maury's
"Inside" überraschen die Franzosen erneut mit drei hochkarätigen
Schockern, die in dieser Form ihresgleichen suchen.
Gerade das Debut der
jungen Filmemacher Maury und Bustillo, "Inside", galt schon vor
seinem Erscheinen als Meisterwerk des modernen Gore- und Terrorkinos und
schürte somit die Erwartungen vieler ins Unermessliche. Und, allen
Unkenrufen zum Trotz, darf ohne Übertreibung behauptet werden, dass
"Inside" den hohen Erwartungen vollauf gerecht wird. Gerade heute,
wo Filme wie "Hostel" und Co als
Mainstreamware gehandelt werden, scheint es äußerst schwierig, dem
Publikum überhaupt noch etwas Schockierendes vorsetzen zu können, doch
"Inside" lässt die vielen US-Torture-Porns mit Leichtigkeit wie
harmloses Kinderprogramm aussehen und sollte den Franzosen ein weiteres Mal
jede Menge Beachtung einbringen.
"Inside"
dürfte für viele eine grenzwertige Erfahrung darstellen. Was hier
geschaffen wurde, ist ein grenzüberschreitender Gore-Exzess, der eines der
letzten Tabus im Horror-Genre beiseite fegt und in dieser Form vor ein paar
Jahren noch undenkbar gewesen wäre. "Inside" sichert sich
problemlos einen der Spitzenplätze der kaltschnäuzigsten und radikalsten
Machwerke der letzten Zeit und dürfte selbst vielen Gorehounds einen
Schritt zu weit gehen. Wie auch bei "High Tension" erweist sich
die Story dabei als äußerst einfach gestrickt, ohne dabei an Effektivität
einzubüßen. Der komplette Film wird alleine von der Situation getragen,
dass eine hochschwangere Frau in ihrem eigenen Haus von einer unbekannten
Angreiferin bedroht wird, die um jeden Preis das Ungeborene haben möchte.
Wurden Schwangere von vielen Filmemachern lange Zeit als eines der letzten
Tabuthemen behandelt, machen Maury und Bustillo in dieser Hinsicht kurzen
Prozess und stellen die Schwangere kurzerhand ins Zentrum der Grausamkeit.
Es muss als brillant
betrachtet werden, wie "Inside" sein Publikum trotz seines
vorhersehbaren Plots jederzeit gnadenlos fesselt. Der Film verbreitet eine
unglaublich verstörende und destruktive Atmosphäre und lässt dem
Zuschauer kaum Zeit zur Entspannung. Das Geschehen spielt sich ab einem
gewissen Zeitpunkt ausschließlich in Sarah's Haus ab und lässt keine
Ruhepause mehr zu, da die Spannungsschraube von da an immer weiter angezogen
wird. Die beiden Frauen liefern sich ein gnadenloses Duell vor engster
Kammerspiel-Kulisse, dessen Ausgang zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar
scheint, da man "Inside" in seiner Brachialität einfach alles
zutrauen würde. Die beruhigende Gewissheit, dass sich letztendlich alles
gut auflösen wird, ist hier also absolut nicht gegeben, eher im Gegenteil.
Die beiden Regisseure lassen keine Gelegenheit aus, ihr Publikum an einem
wunden Punkt zu treffen.
"Inside"
ist ein wahrer Blutreigen und in Sachen Gore und Gewaltdarstellung als eines
der exzessivsten Werke der letzten Jahre zu betrachten. Mit verschiedenen
Stichwerkzeugen, bevorzugt einer langen Schere, und diversen Schusswaffen
wird sich unbarmherzig zu Leibe gerückt, Körper werden bestialisch
zugerichtet, beinahe im Minutentakt wird der Zuschauer mit Verstümmelungen
und extremen Gore-Szenen überhäuft. So verstörend diese
Gewaltdarstellungen im realistischen Kontext des Films auch wirken, so sehr
muss in dieser Hinsicht allerdings leider auch das Finale kritisiert werden.
Irgendwann hat es den Anschein, als hätten sich Maury und Bustillo
endgültig in ihren Gewaltphantasien verloren und es nur noch darauf
angelegt, eine ausufernde Gewaltorgie festzuhalten, worunter die Story zu
leiden beginnt. Während der Film seine schonungslose Atmosphäre die meiste
Zeit über aus seinem gnadenlosen Realismus bezieht, verliert sich das
Finale leider in unglaubwürdigem Gekröse, das irgendwann die Frage
aufwirft, wie viel ein menschlicher Körper eigentlich auszuhalten im Stande
ist.
Auch, wenn die
Gore-Effekte natürlich plakativ an vorderster Front des Filmes stehen, so
sind sie doch nicht das Einzige, woraus "Inside" seine intensive
Atmosphäre bezieht. Die Inszenierung ist allgemein auf einem sehr hohen
Level angesiedelt, gerade die musikalische Untermalung von François Eudes
ist eine Klasse für sich. Mit zum Teil schrillen Tönen und aggressiven
Soundkulissen wird dem Zuschauer akut auf den Nerv gefühlt, das Gezeigte
intensiviert sich durch den einzigartigen Sound noch einmal deutlich. Auch
sonst ist sich "Inside" für die eine oder andere Spielerei nicht
zu schade und zeigt beispielsweise immer wieder mal eine Innenansicht auf
das Baby Sarah's, was der eine oder andere zwar für unpassend oder billig
in Szene gesetzt halten mag, was sich aber äußerst gut ins Gesamtbild
einfügt. Auch die Schauspieler agieren allesamt großartig, wobei hier
natürlich die Leistung von Béatrice Dalle und Alysson Paradis
hervorgehoben werden muss. Die beiden liefern sich in den Hauptrollen einen
überragenden Zweikampf und erfüllen ihre Rollen auf ganz unterschiedliche
Weise einfach hervorragend. Béatrice Dalle ist die unberechenbare Fremde,
deren Motivation lange Zeit ungeklärt bleibt und deren Optisches einem
schon eine Gänsehaut bescheren kann. Dalle spielt die Psychopathin derart
versessen, dass es einem Angst und Bange werden kann. Auf der Gegenseite
haben wir Alysson Paradis, die das Leid und die Panik in ihrer Situation
hervorragend rüberbringt.
"Inside"
wird seinem Ruf gerecht und positioniert sich selbst an die vorderen
Spitzenplätze des derzeitigen Gore- und Terrorfilms. Derart brachial und
erbarmungslos wie hier wurde das Publikum schon lange nicht mehr
erschüttert, was in einer Zeit, in der Terrorfilme an der Tagesordnung
sind, durchaus als Meisterleistung betrachtet werden kann. Zwischen
ultraderben Gore-Exzessen und einer brillanten, kammerspielartigen
Inszenierung ist "Inside" beinahe so etwas wie ein modernes
Meisterwerk des Horrorfilms, das sein Publikum in keinem Moment zur Ruhe
kommen lässt und letztendlich einen äußerst verstörenden Nachgeschmack
hinterlässt. Einzig das etwas überzogene Finale will dabei nicht so ganz
zufrieden stellen, was aber nichts daran ändert, dass wir es hier mit einer
der intensivsten Filmerfahrungen seit langem zu tun haben. Wer sich nicht so
leicht erschüttern lässt und starke Nerven mitbringt, sollte sich dieses
Werk auf keinen Fall entgehen lassen.
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