|
In der Hölle ist mal wieder kein Platz:
Die Welt ist überschwemmt mit Zombies, die Zivilisation, wie wir sie
kennen, liegt in Trümmern, der Ausnahmezustand ist verhängt.
Offensichtlich sind aber wohl die fetten Jahre der Zombies gezählt: Die
Menschen haben sich inzwischen mehr oder weniger mit der Plage abgefunden,
so dass beide Gruppen in einer Art Koexistenz miteinander leben. Argwohn und
Misstrauen gegenüber den andersartigen Kreaturen haben die Furcht vor ihnen
verdrängt.
Erzählt wird ein Tag im Leben der jungen Susan. Auf dem Heimweg vom Einkauf
wird sie zunächst von ein paar Zombies, später von einem fanatischen
Prediger, der die Zombies um sich schart, belästigt. Bei Einbruch der
Dunkelheit findet sie Zuflucht in einer Wohngemeinschaft, macht die
Bekanntschaft einer Zombie-Frau, übersteht eine „Zombie-Säuberungsaktion“,
um bei ihrer Heimkehr nach Hause zu erkennen, dass sich ihr Freund
umgebracht hat. Er hat beschlossen, ein Dasein als Untoter zu fristen und
möchte auch Susan mit allen Mitteln dazu bekehren... |
|
Das Cover verheißt: „SHATTER DEAD, der
einfallsreichste Zombiefilm seit Romero.“ Nicht selten erweisen sich
derartige Versprechen als maßlose Übertreibung seitens des Filmvertriebs.
In Falle von „SHATTER DEAD“ liegt der Verleih mit dieser Behauptung
jedoch durchaus nicht sehr falsch...
Der thematische Ansatz des Versuch einer „Domestizierung“ der Zombies,
den George A. Romero in dem letzten Teil seiner Zombie-Trilogie aufgegriffen
hat, wird in „Shatter Dead“ auf interessante und teilweise humorvolle
Art und Weise weitergesponnen. Die Zombies sind inzwischen ein Teil der
Gesellschaft geworden zu sein, von den Menschen zwar nicht akzeptiert, aber
man hat gelernt, mit ihnen zu leben. Eine direkte, schleichende Gefahr als
blutgierige ewig hungrige Fressmaschinen, wie z.B. in „Dawn of the Dead“
stellen sie offenbar nicht mehr dar, ja sie sind teilweise ohne weiteres
nicht einmal auf den ersten Blick von den Normalsterblichen zu
unterscheiden. Die Menschen haben sich auf gewisse Art und Weise mit ihnen
arrangiert, scheuen eben nur den Kontakt mit diesen andersartigen Kreaturen.
Die Zombies scheinen gewissermaßen die neuen Unterprivilegierten der
Gesellschaft darzustellen, die von den Almosen der Menschen existieren. Sehr
amüsant beispielsweise die Anfangsszenerie, in der Susan mit Einkaufstasche
und Maschinenpistole durch die leeren Straßen spaziert und rechts und links
am Straßenrand bettelnde Zombies herumlungern. Auf einem Pappschild
beschreibt ein Bettel-Zombie dann auch seine Situation wie folgt: „Poor!
Dead! Sold my left arm for medical research! What next?” Kein Wunder, dass
die Untoten laut Radiobericht inzwischen sogar eine Gewerkschaft (!!)
gegründet haben!! ;-)
Als Susan aufgrund der Ausgangssperre gezwungen ist, in einer
Wohngemeinschaft für die Nacht Unterschlupf zu suchen, entpuppt sich ihre
Zimmergenossin Mary bei der gemeinsamen Dusche (bei der Susan
selbstverständlich Pistole und Schulterhalfter trägt, sicher ist
sicher...) als relativ tot. Zunächst erschrocken will sie sich ihrer neuen
Bekanntschaft entledigen, doch diese überzeugt sie davon, dass sie
niemandem etwas tun will, sondern einfach nur „leben“. Die beiden Damen
kommen ins Gespräch. Dabei erfährt der Zuschauer unter anderem von den
alltäglichen Problemen einer eitlen Toten: Da gilt es, unschöne
Totenflecken zu kaschieren oder morgens mit ein paar Minuten Handstand eine
gesunde Gesichtsfarbe zu bekommen. Besondere Probleme bereiten auch der
etwas strenge Körpergeruch oder die ekligen Geräusche, wenn sich
Blutansammlungen in bestimmten Körperregionen nach längerem Verweilen in
ein und derselben Körperhaltung lösen und das Blut zurück in die Beine
schießt... Demgegenüber stehen laut Mary die Vorteile des „Lebens“
eines Untoten: Ewige Jugend bzw. Schönheit, kein Schlafbedarf, allmählich
nachlassender Hunger. Nicht zu vergessen der gesellschaftliche Aspekt: Tote
konsumieren nicht, schädigen somit auch nicht den Sozialstaat!! (na ja,
eine Theorie, die sicherlich jeden BWL-Studenten zu heftigen Kopfschütteln
bewegen dürfte...)
Derartig originelle Dialoge, das innovative Ausgangsszenario und die
teilweise schrägen Charaktere machen den Film äußerst unterhaltsam,
wenngleich gegen Ende die Dialogpassagen ein wenig überhand nehmen..
Trotz Low-Budget-Produktion kann der Film von der Atmosphäre und den
hervorragenden Leistungen der Darsteller (die sich offensichtlich
seltsamerweise hinter Pseudonymen verbergen) doch ohne weiteres mit
aufwändigeren B-Movies mithalten. Die Special-Effects sind zwar nicht
gerade das Non-Plus-Ultra, verfehlen aber in ihrer Direktheit ihre Wirkung
nicht (so z.B. eine „Man-Eater“-hafte Fötus-Szene...). Auf
vordergründige Dauer-Blutrausch-Goreeinlagen im Stile mancher (v.a.
italienischer) Vertreter des Zombie-Genres verzichtet „Shatter Dead“
allerdings wohltuend. Vielmehr betrachtet er gerade gegen Ende die eher
philosophische Sichtweise von Leben/Tod/Untod. Hartgesottene
Zombie-Gorehounds könnten daher bei erstmaligem Anschauen etwas enttäuscht
sein. Fans der etwas schrägeren Zombie-Unterhaltung, die sich schon für
Michele Soavis ähnlich philosophisches Meisterwerk „Dellamorte Dellamore“
begeistern, werden sich garantiert auch mit „Shatter Dead“ anfreunden
können.
Fazit: Schräg, innovativ und allemal einen Blick wert!! Der etwas „andere“
Zombiefilm!! Low-Budget-Produktion der gehobenen Art!!! |