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Das meiste Aufsehen erregte Ryan Nicholson
nach Fertigstellung von "Torched" wohl durch die Tatsache, dass er
zuvor unter anderem schon als FX-Verantwortlicher bei "August
Underground's Mordum" zugange war, welcher laut den Aussagen vieler als
einer der abstoßendsten Filme überhaupt gilt. Um so mehr konnte man
gespannt sein, was der äußerst aktive Special Effects Designer in seinem
ersten, eigenen Film wohl auf die Beine stellen würde. Soviel vorab:
"Torched" ist wirklich zu einer recht harten Angelegenheit
geworden, doch es ist dem Kurzfilm jederzeit klar ansehbar, dass Nicholson
eben doch mehr Ahnung von der Erschaffung harter Effekte, als vom
Filmedrehen selbst hat.
Die dargebotene Handlung ist dabei im Grunde die selbe wie schon die bei
Genreklassikern wie "Ich spuck auf dein Grab". Eine Frau wird von
einem oder gar mehreren Männern vergewaltigt und misshandelt, nur um ihre
Peiniger im Anschluss so brutal wie nur möglich aus dem Weg räumen zu
dürfen. Dies mag natürlich banal klingen und nur dem Selbstzweck zugrunde
liegen, doch wenn man so darüber nachdenkt, steht man schon wie
selbstverständlich auf der Seite der sich rächenden Frau. Da sich auch
"Torched" 1:1 dieser Thematik bedient, ist die Handlung zu jeder
Zeit klar absehbar und dürfte für den Regisseur nicht schwer umzusetzen
sein - sollte man meinen.
Erste Schwächen offenbaren sich allerdings schon in den Anfangsminuten. Die
Vergewaltigung ist so plump und oberflächlich gefilmt, dass sie kaum unter
die Haut geht und man kaum mit dem Opfer mitfühlt. Um nicht falsch
verstanden zu werden, muss ich sagen, dass ich sicherlich nicht scharf
darauf bin, exzessive und minutenlange Vergewaltigungen wie in
"Irreversible" zu sehen, doch wenn, dann wenigstens so, dass sie
einen wenigstens betroffen machen. In "Rape and Revenge" Filmen
dient diese Misshandlung einer Frau natürlich stets dem Selbstzweck, doch
so eigennützig wie hier gezeigt, verfehlt es die Wirkung leider komplett.
So wird der anschließende Rachefeldzug nicht zum nachvollziehbaren Akt,
sondern wieder nur zum stumpfsinnigen Abschlachten degradiert.
Nun gut, man könnte ja nun anfügen, dass ein hart inszenierter
Foltermarathon den Streifen noch retten könnte, doch leider hält sich
"Torched" in diesem Bereich mehr zurück als erwartet. Da Deanna
ihren Peiniger gefesselt im Wohnzimmer liegen hat, lässt dies ein
30minütiges Splatterevent à la "Guinea Pig 2" erwarten, doch
"Torched" stolpert sich immer wieder selbst über die Füße,
indem er noch langweilige Nebenplots einbaut. Nach einer kleinen, doch stets
auf den Magen schlagenden Foltersequenz folgt meist wieder eine längere
Handlungsszene, in der Deanna zur Arbeit geht, mit ihrem Nachbarn turtelt
usw. Vermutlich wusste Ryan Nicholson nicht so recht, wie er das schlichte
Racheprinzip des Films auf 45 Minuten strecken konnte und griff so eben auf
alles zurück, was sich noch so filmen ließ.
Wenn es dann aber mal ans Eingemachte geht, dann ist schon zu sehen, dass
Nicholson reichlich Ahnung von der Darbietung brutaler Effekte hat. So wird
der schreiende, gefesselte Eindringling nicht nur an allen möglichen
Körperstellen mit einem Bunsenbrenner bearbeitet, sondern bekommt auch klar
sichtbar viele Spritzen in sein erregiertes Glied gerammt. Dies ist alles
nicht unbedingt für sanfte Gemüter geeignet, doch hält sich in seinen
Ausmaßen noch in Grenzen. So professionell die Effekte aussehen, so wenig
Spielraum nehmen sie an der Gesamtzeit gemessen im Film ein. Zudem muss man
sagen, dass die harten Szenen mehr dazu da sind, einem auf den Magen zu
schlagen, als dem Splatterfreak die Kante zu geben. Richtig blutig wird's
nur, als Deanna Amok läuft und einem Freund mit einer Kreissäge den Kopf
absägt, was einem aber noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Zu den Schauspielern lässt sich nicht viel sagen. Michelle Boback muss
nicht viel mehr machen, als sich anfangs recht harmlos und unschuldig zu
geben, nur um dann im weiteren Filmverlauf zum knallharten und gefühlslosen
Racheengel zu mutieren. Ganz ansehnlich dargestellt, aber auch nicht weiter
nennenswert, so wie dies bei allen weiteren Nebendarstellern auch der Fall
ist.
Ich kenne nicht viele "Rape and Revenge" Filme und kann daher
keine ausschweifenden Vergleiche anstellen. An und für sich war
"Torched" im Rahmen eines Low-Budget Kurzfilms ganz nett, doch
insbesondere was die Spannung und die Atmosphäre angeht, ist der Film
gänzlich uninteressant. Ryan Nicholson bietet seinem Publikum 2-3 härtere
Magenumdreher, liefert aber sonst nichts nennenswertes. Für die etwas
anderen Filmfans, die alles sehen müssen, zumindest ganz ok für
zwischendurch, aber nichts, was man unbedingt auf seine "Must See"
Liste setzen muss. |