Magic Ivory – Im Vorhof zur Hölle

Informationen

OT:I Predatori della pietra magica

ca.90 Minuten

Italien 1988

Regie

  • Anthony Richmond
  • (Tonino Ricci)
Darsteller

  • James Mitchum
  • Chris Ahrens
  • Clarissa Mendez
  • Thomas Irving
  • u.a.

Magic Ivory – Im Vorhof zur Hölle

Story

Die Vietnamveteranen und Abenteurer Mark und Sugar bekommen einen lukrativen Auftrag: Sie sollen für den zwielichten Mr. Cheng eine magische Steintafel aus dem südostasiatischen Dschungel holen. Zwar ahnen die beiden Haudegen, dass an der Sache etwas faul ist, doch das Geld lockt. Wie Recht sie mit ihrer Ahnung haben, wird ihnen schon bald klar. Die Tafel ist nicht nur verflucht, sie befindet sich auch noch im Besitz einer geheimen Sekte.

Die Sektenmitglieder stehen unter dem Einfluss der Steintafel. Wie Zombies folgen sie blind den Befehlen ihres Anführers. Mark und Sugar beobachten, wie die Sekte ein junges Mädchen entführt. Sie folgen den Entführern in ihren unterirdischen Tempel. Das Mädchen gerettet, die Steintafel geklaut, müssen die beiden feststellen, dass sie gewaltig über den Tisch gezogen worden sind. Tao, der Diener von Mr. Cheng luchst ihnen die Steintafel ab. Von dem Mädchen erfahren sie, dass Mr. Cheng mit der Magie der Tafel die Weltherrschaft an sich reißen will. Sie ernennt Sugar zum neuen „Hüter des himmlischen Friedens“. Den Weltfrieden retten?

Ehrensache für Sugar! Zusammen mit Mark macht er sich auf, Mr. Cheng das Handwerk zu legen.

Kritik

Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle… …aus der niemand zurückkehrt.

Da hatte man geglaubt, 1988 sei die Zeit der italienischen Dschungeltrash-Filme schon lange vorbei. Verebbt schien die Welle des großen Exploitation-Kinos, in dem sich Kannibalen, Killerkrokodile und Amazonen die Kokosnuss in die Hand gaben. In dilettantischen Filmen, die durch ihre unfreiwillige Komik und teilweise eben so blutig wie stümperhaft inszenierten Splattereinlagen Horror- und Tarzanfans gleichermaßen erfreuten.

Doch dann kommt plötzlich Tonino Ricci daher und zündet mit Magic Ivory ein Feuerwerk im Keller des filmischen Bodensatzes. Für Regisseur Tonino Ricci nicht der erste Ausflug in die Welt des Trashfilms. Unter dem Pseudonym Anthony Richmond hat er 1983 auch den legendären „Thor der unbesiegbare Barbar“ verbrochen. Auch seine übrigen Filme wie „Rush II“ oder „Unheimliche Begegnung in der Tiefe“ sorgten nicht gerade dafür, dass die Filmgeschichte neu geschrieben werden musste, belebten aber so manchen bierseligen Filmabend.

Magic Ivory will alles, kann nichts und schafft es dann doch, fast 90 Minuten lang zu fesseln. Nicht mit Kunst oder Können. – Mit Trash und unfreiwilliger Komik, in bester Joseph Lai / Tomas Tang – Manier!!

Fast alles, was auch nur bedingt mit Action oder Abenteuer zu tun hat, wird gnadenlos aufgegriffen, vernetzt zu einer Story, die jeden ernsthaften Zuschauer in den Tisch beißen lässt. Hier ein bisschen Indiana-Jones, dort ein paar Zombies, Dschungel, Skelette. Schwere Waffen, leichte Sprüche. Alles so richtig stumpfsinnig. Fun pur!!

Gleich zu Beginn gibt es die geballte Ladung Rambo in Reinkultur: Captain Rogers hockt in einem miefigen Kerkerloch, füttert gerade ein paar Ratten. Da kommt sein Kumpel Mark herbei, schleicht sich an schwerhörigen und gelangweilten Wachtposten vorbei. Krach Bumm!!! Schon ist Captain Rogers befreit. Zusammen mit Mark ballert er sich den Weg frei nach draußen.

Kurze Zeit später, in freier Wildbahn, wandeln Mark und Captain Rogers plötzlich in feinem Kimono-Zwirn in einem Garten herum. Sie sind Gäste von Mr. Cheng. Mr. Cheng ist ein finsterer Chinese wie aus dem Bilderbuch. So eine Art Tim-Curry meets Dr. Fu Man Chu. Selbst mit geschlossenen Augen weiß der erfahrene Zuschauer: Dieser Typ hat mehr als nur Reis im Keller. Nur Mark scheint nichts zu ahnen. Und Captain Rogers schon gar nicht. „Nennen Sie mich Sugar!“, lädt er Dr. Fu Man Curry gleich zum Brüderschaftstrunk ein.

Mark und Sugar sind eben keine Denker. …Dichter schon eher. Schließlich werfen die beiden Draufgänger im weiteren Verlauf des Films nur so mit Schenkelklopfer-Sprüchen um sich. Wie weiland Dick und Doof. Auch optisch kommen sie den beiden Komikern ziemlich nah. „Stan“ Mark (Chris Ahrens) ist eher schmächtig, sieht irgendwie aus, wie ein Wings-Hauser-Double (wobei sich nun die Frage stellt, was schlimmer ist: Original oder Double…). B-Movie-Haudege James Mitchum als „Sugar“ ist der Oliver Hardy–Typ, so quasi der Gelsenkirchener Vorort-Proll. Er gibt immer den großen Macker. Allerdings hat Oliver Hardy seinerzeit wohl weniger Kautabak ausgespuckt als er.

Nachdem Dr. Feng Shu die beiden in seine Familiengeheimnisse, samt traditionellen Familienfluchs, eingeweiht hat, kommt es: Das Angebot, dem sich die beiden nicht widersetzen können. Für mehr als nur eine Handvoll Dollar sollen die beiden zwei „unbedeutende“ Steintafeln den Händen einer religiösen Sekte entreißen. In einer entlegenen Region des vietnamesischen Dschungels, versteht sich.

Weil die Region den schmucken Namen trägt: „Hölle, aus der niemand zurückkommt.“, schwant Sugar Böses. „Mit diesem Job stimmt was nicht.“ – „Natürlich!“ – „Ich wusste es doch.“ Allerdings haben die beiden ja nicht umsonst dem Denken abgeschworen. Sie stellen sich also dem Abenteuer.

Sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Denn nach diesem ohnehin schon sehr kurzweiligen Beginn, kommt der Film jetzt richtig in Fahrt. Ab geht’s in den Dschungel, zusammen mit Tao dem Diener von Dr. Cheng. Ein Kaba-Kakao-Shirt-tragender Moselschiffer flößt die Haudegen nun in den Busch. Bei ersten Feuergefechten mit einheimischen Soldaten können Mark und Sugar sogleich zeigen, warum sie damals in Vietnam zur Vernichtungseinheit gehört haben.

Die „Hölle, aus der niemand zurückkehrt“ macht dann ihrem Namen alle Ehre: Nebel, ein morsches Skelett am Flussufer, eine grässliche Totenmaske soll Eindringlinge abschrecken. „Verdammte Scheißgegend“ erkennt dann auch Sugar die touristische Qualität des Gebiets. Mit lustigen Fallen, wie Bambusspießen oder Seilschlingen, kennen sich Mark und Sugar ja von Beruf her aus. Weniger jedoch mit explodierenden Affenmaskenzombies, wie sie nun auftauchen. „Hier ist so was jederzeit möglich.“, klärt Tao die beiden über die Gepflogenheiten der Region auf.

Bei den Affenmaskenzombies handelt es sich um die Mönche besagter Sekte. Wie es sich für böse-religiöse Sektierer gehört, haben diese ein Mädchen entführt und schleppen es in ihre Katakomben. Mark, Sugar und Tao folgen ihnen in die Höhle. Mit Bananenkisten am Seil geht es über einen unterirdischen Fluss. Dann ist der „Tempel des Todes“ eröffnet: Blinkende Steintafeln, bunter Nebel, die Mönche mit den Affenfratzen wollen die gefangene Frau opfern. Nicht mit Sugar und Mark! Wo Menschenopfer zur Regel werden, wird Widerstand Pflicht!

Plötzlich taucht der Hohepriester auf. Karl Marx himself! Oder besser: Moses. Denn er betet die Steintafeln an und macht erst einmal Feuerzauber mit allerlei dämonischem Schabernack. Dumm für ihn, dass sich Mark und Sugar dadurch nicht beeindrucken lassen. „Verdammt. Das scheint der Oberfeuerwerker zu sein! Am besten gar nicht drum kümmern!“ Und weg, mitsamt Steintafeln und Mädchen…

Das Mädchen heißt übrigens My Lai (!!!). (Ähm… In welcher Art von Einheit waren Mark und Sugar seinerzeit in Vietnam???)…

Im Dschungel wird das befreite Mädel verletzt, ernennt Sugar (wahrscheinlich wegen seines erotischen Oberlippenbarts und Bierbauchs) zum neuen „Hüter des himmlischen Friedens“. Dann dankt sie ab. Abdanken, aber in anderer Weise tut auch Tao. Er reißt sich die heiligen Tafeln unter den Nagel und schwingt sich in den nächsten Hubschrauber.

Per pedes machen sich Sugar und Mark auf, Tao und dem Oberschurken Mr. Cheng die Leviten zu lesen. So ein „Hüter-Titel“ verpflichtet schließlich.

Die üblichen Feuergefechte mit den üblichen einheimischen Soldaten später, stehen die beiden dann auch endlich ihrem unzuverlässigen Geschäftspartner gegenüber.

Ist das nun das Ende? NEIN!! Erstmal kommen die NINJAS!!!!!!!

Wie konnte Tonino Ricci DIE nur vergessen…

Diese haben natürlich letztendlich keine Chance gegen Sugar. Genauso wenig wie Mr. Cheng.

Das Happy End feiern unsere Helden gemütlich auf ihrer Jacht. Die Havanna im Mundwinkel genießen sie den neuen Weltfrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind…

Stopp!! Was ist mit SEX??? Hatten wir bisher noch nicht. Kommt aber nun: Mark hat natürlich für zwei knackige Bikini-Girls gesorgt.

Die Welt ist in Ordnung…

(Nicht ganz, wenn man mal einen Blick auf den Originaltitel des Films wirft. Der da lautet: „I Predatori della pietra magica“. Hmm… der Predator. Genau! Der einzige, der hier noch fehlt…)

Fazit: „MAGIC IVORY“ ist genialstes Trash-Kino vom Feinsten. Ein Party-Film der in jede gepflegte B-Movie-Sammlung gehört. Am besten direkt neben „DAS SÖLDNERKOMMANDO“ und die eigene Hausbar.

Und weil’s so schön ist, hier ein paar Kostproben aus der Dialogschmiede der deutschen Synchro:

Held zum Schurken: „Nennen Sie mich Sugar!“

Held Nr.1: „Mit diesem Job stimmt was nicht!“

Held Nr. 2: „Natürlich!“

Held Nr. 1: „Ich wusste es doch!“

Fährtenleser: „In Eurer Sprache heißt die Region: Hölle, aus der niemand zurückkehrt.“

„Munition und Lebensmittel sind vollzählig!“ (Held bei der Überprüfung des Proviants. Danach zieht er eine Dose Bier (!) aus dem Rucksack)

Held zum Schurken: „Bist Du gleich als Arschloch auf die Welt gekommen, oder hat man nachgeholfen?“

Schurke: „Ergebt Euch!“

Held 1: „Wohl blöde, Sackgesicht?“

Held 2: „Was machen wir jetzt?“

Held 1: „Auf keinen Fall ergeben!“

Held 2: „Stimmt!“

Schurke: „Wie lautet Euer Auftrag?“

Held: „Briefmarken kaufen!“

Held 1: „An der Tankstelle wäre das nicht passiert.“

Held 2: „Gemüseladen wäre besser.“

Held 1: „Da muss man aber rechnen.“

Held 2: „Was Dir schwer fallen dürfte!“

Held 1: „Verdammte Scheißgegend!“

Held 2: „Was ist das für eine Gegend?“

Fährtenleser: „Das Territorium der Mönche.“

Held 1: „Woher weißt Du das?“

Fährtenleser: „Das steht hier auf dem Stein.“

Fährtenleser: „Das sind die Stimmen der Toten. Sie kommen vom Mittelpunkt der Erde.“

Held: „Hört sich eher an wie ein verstopftes Klo!“

Fährtenleser: „Die Tafel schützt sie vor den Kugeln, deswegen sterben sie auch nicht.“

Held: „Mir egal, solange die Munition reicht!“

Held sieht dem mit dem Hubschrauber abfliegenden Schurken hinterher: „Diese dumme Sau! Da fliegt er.“

Held 1: „Schon was rausgefunden?“

Held 2: „Nein.“

Held 1: „Kannst Du überhaupt lesen?“

„Mit Dir als Wächter können die sich da oben im Kosmos auf einiges gefasst machen!“

Bewertung

Splatter Magic Ivory – Im Vorhof zur Hölle
Spannung Magic Ivory – Im Vorhof zur Hölle
Story Magic Ivory – Im Vorhof zur Hölle
Ekelfaktor Magic Ivory – Im Vorhof zur Hölle
Atmosphäre Magic Ivory – Im Vorhof zur Hölle
Gesamt Magic Ivory – Im Vorhof zur Hölle

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