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Jedes Mal, wenn der Horrorfilm-Fan glaubt,
dass der Slasher endgültig das Zeitliche segnen musste, dann wird er doch
wieder eines Besseren belehrt. Es scheint einfach kein Ende zu nehmen: Auch
einige Jahre nach "Scream" hat es für viele junge Regisseure
nicht an Reiz verloren, einen Cast gut aussehender, 20 jähriger Newcomer
zusammenzutrommeln und sie vor laufender Kamera von einem vermummten Killer
dahinmeucheln zu lassen. Dieses Motiv ist mittlerweile schon uralt, scheint
aber noch immer gut zu funktionieren, denn gäbe es keinen reißenden Absatz
für diese Art von Film, würden sie wohl auch nicht in derartigen Massen
produziert werden. Irgendwann fällt es dabei natürlich schwer, einen
Überblick über die vielen, beinahe inhaltsgleichen Slasher zu behalten,
die jeden Monat die Videotheken und Verkaufsregale entern, weshalb wohl das
Glück darüber entscheidet, ob man ausnahmsweise mal einen annehmbaren
Genrevertreter herausfischt oder wieder einen Fehlgriff tätigt. Was nun
"7eventy 5ive" angeht, haben wir hier einen Slasher, wie er
typischer nicht sein könnte, der aber dennoch sehr gut zu unterhalten
vermag.
Nun stellt sich so manch einem sicherlich die berechtigte Frage, wodurch
diese Filme überhaupt voneinander zu unterscheiden sind, wo sie sich doch
ohnehin nicht die Mühe machen, mit neuen Storys aufzuwarten. In diesem Fall
sind es eben immer die kleinen Feinheiten, die den Unterschied ausmachen und
die Aufschluss darüber geben, ob ein Streifen lohnenswerte Unterhaltung
bietet oder gleich wieder zurück ins Regal wandern kann. "7eventy
5ive" macht schon in der Anfangssequenz klar, dass hier durchaus
professionelle Filmemacher am Werk waren und somit steht das Werk schon
einmal eine ganze Ebene über diversen B-Movies, die für ein Minimalbudget
in den Kasten gebracht wurden. Optisch wird einem hier beinahe Kino-Niveau
geboten, so dass ein Vergleich mit "Düstere Legenden" und
Konsorten nicht gescheut werden muss. Kein Wunder, denn Regisseur Brian
Hooks, der in dieser Tätigkeit von Deon Taylor unterstützt wurde, darf
bereits auf viele Jahre Filmerfahrung zurückblicken, in denen er
abwechselnd als Schauspieler, Produzent, Drehbuchautor und Regisseur tätig
war und das sieht man "7eventy 5ive" auch an.
Slasher-Erprobte Zuschauer werden von dem Gezeigten bereits ein Lied singen
können, geschieht hier doch nichts, was man nicht erwarten oder bereits
kennen würde: Die anfangs zusammenhangslose Vorgeschichte, die später noch
einen Sinn ergibt, die charakterlosen Teens, die Morde nach dem
10-kleine-Negerlein Prinzip.. alles wie gehabt. Dennoch gibt die Sache mit
den Telefonstreichen der Story noch eine gewisse Würze, da man sich damit
durchaus identifizieren kann. Wer hat als Kind nicht mal irgendwelche
fremden Leute angerufen und ihnen irgendeine Lügengeschichte aufgetischt?
Dieser Gedanke wird hier weitergesponnen und resultiert in dem Spiel
"75", bei dem der Angerufene 75 Sekunden in der Leitung bleiben
muss und nicht lachen darf.
Sobald der Film richtig in Fahrt kommt, wird das Geschehen zum blutigen
Stelldichein, bei dem ein Kerl während eines Blowjobs durchaus mal den Kopf
verliert, während andere, die vor die Axt des Killers geraten, gerne das
eine oder andere Körperteil abgeben. "7eventy 5ive" ist kein
Splatterfilm, doch die Morde sind stets sehr rabiat und brutal in Szene
gesetzt und werden von einem Killer durchführt, dem man lieber nicht im
Dunkeln begegnen möchte. Der Hüne verbreitet ein Gefühl der
Unberechenbarkeit und tötet alles und jeden, ohne mit der Wimper zu zucken,
was ihn von einigen anderen Slasher-Kollegen positiv hervorhebt, denn hier
wirkt der Killer endlich mal wieder richtig gnadenlos. Sobald es dann in den
letzten 30 Minuten ans Eingemachte geht, lässt "7eventy 5ive"
seine Zuschauer kaum mehr zur Ruhe kommen und versorgt sie mit allerlei
Hetzjagden und blutigen Kills, wodurch der Unterhaltungswert enorm in die
Höhe schnellt.
Dass die eigentliche Story dabei kaum etwas herumreißt, dürfte klar sein.
Junge Leute machen Party, haben Sex und begehen irgendwann eine Dummheit,
für die sie mit ihrem Leben bezahlen müssen. Slasher-Fans werden die
ersten 50 Minuten gut überstehen, bei allen anderen dürfte hingegen hin
und wieder etwas Langeweile aufkommen. Dafür muss aber gesagt werden, dass
die Schauspieler ihre Sache auffallend gut machen. Regisseur Brian Hooks,
der zugleich die Hauptrolle spielt, ist ein annehmbarer Leading-Man,
während man sich in einer Nebenrolle auf Rutger "Highway-Killer"
Hauer freuen darf, der hier einen alternden Polizisten mimt. Totalausfälle
gibt es im Cast zumindest keine zu vermelden.
"7eventy 5ive" ist eine Slasher-Suppe nach altem Rezept, die dem
Ganzen keine neuen Zutaten beimischt, dafür aber immerhin passabel
schmeckt. Was hier geliefert wird sind 94 unterhaltsame Minuten, die für
Kenner der Materie zwar durch und durch vorhersehbar ablaufen, dafür aber
mit einem starken Killer und einigen heftigen Morden entschädigen. Die
letzten 30 Minuten lassen kaum Zeit zum Durchatmen, obwohl man den
letztendlichen Storytwist schon meilenweit gegen den Wind riecht. Alles in
allem ein brauchbarer Slasher für zwischendurch, der der Thematik keine
neuen Ansätze verleiht, dafür aber das Wichtigste richtig macht. |