Inside

Informationen

OT:À l’intérieur

ca. 79 Minuten

Frankreich 2007

Regie

  • Alexandre Bustillo
  • Julien Maury
Darsteller

  • Béatrice Dalle
  • Alysson Paradis
  • Nathalie Roussel
  • François-Régis Marchasson
  • u.a.

Inside

Story

Im fünften Monat ihrer Schwangerschaft hat Sarah (Alysson Paradis) einen Autounfall, den sie und ihr Ungeborenes zwar überleben, nicht aber ihr Ehemann Matthieu (Jean-Baptiste Tabourin). Vier Monate später, am Tag vor der Geburt ihres Babys, ist Sarah noch immer nicht über das Ereignis hinweg und kann sich auch nicht so recht auf die bevorstehende Geburt freuen. Obwohl alle anderen Weihnachten feiern, zieht sich die junge Frau am Vorabend des großen Ereignisses alleine in ihre Wohnung zurück, um den Tag in Ruhe ausklingen zu lassen. Am späten Abend klopft es plötzlich an der Tür und eine Unbekannte (Béatrice Dalle) fordert Einlass. Ihr Auto habe eine Panne, weshalb sie kurz telefonieren müsse. Sarah hat in diesem Augenblick jedoch keinen Nerv für Gesellschaft und weist die Fremde von dannen, die jedoch kurze Zeit später wieder auftaucht und die Scheibe der Verandatür demoliert. Verängstigt verständigt Sarah die Polizei, die kurz darauf auch eintrifft und das Grundstück vergebens absucht. Beruhigt und in der Gewissheit, dass die Fremde nun verschwunden ist, legt sich Sarah schlafen, nicht ahnend, dass sich die Psychopathin längst in ihrem Haus befindet. Alsbald offenbart sich auch der wahre Grund ihres Handelns – die Fremde will, was in Sarah heranwächst und ist bereit, dafür über Leichen zu gehen…

Kritik

Obgleich sich Hollywood derzeitig auf einer Art Vormarsch befindet und uns in regelmäßigen Abständen ein ums andere Mal einen neuen Folterfilm vorsetzt, so ist es doch ein ganz anderes Land, das unter Genre-Kennern längst über seinen Status als Geheimtipp hinausgewachsen ist und bei vielen an erster Stelle steht, wenn es um hochwertigen, gorehaltigen Horror geht: Frankreich. Was von Filmemachern wie Gaspar Noé und Alexandre Aja losgetreten wurde, hat sich mittlerweile zu einer regelrechten Welle der Euphorie entwickelt. Der französische Horrorfilm befindet sich ganz gewaltig auf dem Vormarsch, jede Neuankündigung löst einen regelrechten Hype aus und wird von den Fans bereits lange im Voraus herbeigesehnt. Galt bislang noch Aja’s fantastischer "High Tension" als die Messlatte des derzeitigen Harcore-Horrors, der in Sachen Gewalt bis dato undenkbare Dimensionen beschritt, so dürfte gerade in der nun kommenden Zeit starke Konkurrenz erscheinen. Mit Xavier Gens‘ "Frontier(s)", Pascal Laugier’s "Martyrs" und Alexandre Bustillo’s und Julien Maury’s "Inside" überraschen die Franzosen erneut mit drei hochkarätigen Schockern, die in dieser Form ihresgleichen suchen. Gerade das Debut der jungen Filmemacher Maury und Bustillo, "Inside", galt schon vor seinem Erscheinen als Meisterwerk des modernen Gore- und Terrorkinos und schürte somit die Erwartungen vieler ins Unermessliche. Und, allen Unkenrufen zum Trotz, darf ohne Übertreibung behauptet werden, dass "Inside" den hohen Erwartungen vollauf gerecht wird. Gerade heute, wo Filme wie "Hostel" und Co als Mainstreamware gehandelt werden, scheint es äußerst schwierig, dem Publikum überhaupt noch etwas Schockierendes vorsetzen zu können, doch "Inside" lässt die vielen US-Torture-Porns mit Leichtigkeit wie harmloses Kinderprogramm aussehen und sollte den Franzosen ein weiteres Mal jede Menge Beachtung einbringen. "Inside" dürfte für viele eine grenzwertige Erfahrung darstellen. Was hier geschaffen wurde, ist ein grenzüberschreitender Gore-Exzess, der eines der letzten Tabus im Horror-Genre beiseite fegt und in dieser Form vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre. "Inside" sichert sich problemlos einen der Spitzenplätze der kaltschnäuzigsten und radikalsten Machwerke der letzten Zeit und dürfte selbst vielen Gorehounds einen Schritt zu weit gehen. Wie auch bei "High Tension" erweist sich die Story dabei als äußerst einfach gestrickt, ohne dabei an Effektivität einzubüßen. Der komplette Film wird alleine von der Situation getragen, dass eine hochschwangere Frau in ihrem eigenen Haus von einer unbekannten Angreiferin bedroht wird, die um jeden Preis das Ungeborene haben möchte. Wurden Schwangere von vielen Filmemachern lange Zeit als eines der letzten Tabuthemen behandelt, machen Maury und Bustillo in dieser Hinsicht kurzen Prozess und stellen die Schwangere kurzerhand ins Zentrum der Grausamkeit. Es muss als brillant betrachtet werden, wie "Inside" sein Publikum trotz seines vorhersehbaren Plots jederzeit gnadenlos fesselt. Der Film verbreitet eine unglaublich verstörende und destruktive Atmosphäre und lässt dem Zuschauer kaum Zeit zur Entspannung. Das Geschehen spielt sich ab einem gewissen Zeitpunkt ausschließlich in Sarah’s Haus ab und lässt keine Ruhepause mehr zu, da die Spannungsschraube von da an immer weiter angezogen wird. Die beiden Frauen liefern sich ein gnadenloses Duell vor engster Kammerspiel-Kulisse, dessen Ausgang zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar scheint, da man "Inside" in seiner Brachialität einfach alles zutrauen würde. Die beruhigende Gewissheit, dass sich letztendlich alles gut auflösen wird, ist hier also absolut nicht gegeben, eher im Gegenteil. Die beiden Regisseure lassen keine Gelegenheit aus, ihr Publikum an einem wunden Punkt zu treffen. "Inside" ist ein wahrer Blutreigen und in Sachen Gore und Gewaltdarstellung als eines der exzessivsten Werke der letzten Jahre zu betrachten. Mit verschiedenen Stichwerkzeugen, bevorzugt einer langen Schere, und diversen Schusswaffen wird sich unbarmherzig zu Leibe gerückt, Körper werden bestialisch zugerichtet, beinahe im Minutentakt wird der Zuschauer mit Verstümmelungen und extremen Gore-Szenen überhäuft. So verstörend diese Gewaltdarstellungen im realistischen Kontext des Films auch wirken, so sehr muss in dieser Hinsicht allerdings leider auch das Finale kritisiert werden. Irgendwann hat es den Anschein, als hätten sich Maury und Bustillo endgültig in ihren Gewaltphantasien verloren und es nur noch darauf angelegt, eine ausufernde Gewaltorgie festzuhalten, worunter die Story zu leiden beginnt. Während der Film seine schonungslose Atmosphäre die meiste Zeit über aus seinem gnadenlosen Realismus bezieht, verliert sich das Finale leider in unglaubwürdigem Gekröse, das irgendwann die Frage aufwirft, wie viel ein menschlicher Körper eigentlich auszuhalten im Stande ist. Auch, wenn die Gore-Effekte natürlich plakativ an vorderster Front des Filmes stehen, so sind sie doch nicht das Einzige, woraus "Inside" seine intensive Atmosphäre bezieht. Die Inszenierung ist allgemein auf einem sehr hohen Level angesiedelt, gerade die musikalische Untermalung von François Eudes ist eine Klasse für sich. Mit zum Teil schrillen Tönen und aggressiven Soundkulissen wird dem Zuschauer akut auf den Nerv gefühlt, das Gezeigte intensiviert sich durch den einzigartigen Sound noch einmal deutlich. Auch sonst ist sich "Inside" für die eine oder andere Spielerei nicht zu schade und zeigt beispielsweise immer wieder mal eine Innenansicht auf das Baby Sarah’s, was der eine oder andere zwar für unpassend oder billig in Szene gesetzt halten mag, was sich aber äußerst gut ins Gesamtbild einfügt. Auch die Schauspieler agieren allesamt großartig, wobei hier natürlich die Leistung von Béatrice Dalle und Alysson Paradis hervorgehoben werden muss. Die beiden liefern sich in den Hauptrollen einen überragenden Zweikampf und erfüllen ihre Rollen auf ganz unterschiedliche Weise einfach hervorragend. Béatrice Dalle ist die unberechenbare Fremde, deren Motivation lange Zeit ungeklärt bleibt und deren Optisches einem schon eine Gänsehaut bescheren kann. Dalle spielt die Psychopathin derart versessen, dass es einem Angst und Bange werden kann. Auf der Gegenseite haben wir Alysson Paradis, die das Leid und die Panik in ihrer Situation hervorragend rüberbringt. "Inside" wird seinem Ruf gerecht und positioniert sich selbst an die vorderen Spitzenplätze des derzeitigen Gore- und Terrorfilms. Derart brachial und erbarmungslos wie hier wurde das Publikum schon lange nicht mehr erschüttert, was in einer Zeit, in der Terrorfilme an der Tagesordnung sind, durchaus als Meisterleistung betrachtet werden kann. Zwischen ultraderben Gore-Exzessen und einer brillanten, kammerspielartigen Inszenierung ist "Inside" beinahe so etwas wie ein modernes Meisterwerk des Horrorfilms, das sein Publikum in keinem Moment zur Ruhe kommen lässt und letztendlich einen äußerst verstörenden Nachgeschmack hinterlässt. Einzig das etwas überzogene Finale will dabei nicht so ganz zufrieden stellen, was aber nichts daran ändert, dass wir es hier mit einer der intensivsten Filmerfahrungen seit langem zu tun haben. Wer sich nicht so leicht erschüttern lässt und starke Nerven mitbringt, sollte sich dieses Werk auf keinen Fall entgehen lassen.

Bewertung

Splatter Inside
Spannung Inside
Story Inside
Ekelfaktor Inside
Atmosphäre Inside
Gesamt Inside

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