Dracula jagt Mini-Mädchen  

OT: Dracula A.D. 1972
ca. 96 Minuten
GB 1972
 
Regie
Alan Gibson
Darsteller
Christopher Lee
Peter Cushing

u.a. 
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London, Ende des 19.Jahrhunderts: Graf Dracula wird in einem erbarmungslosen Kampf von Vampirjäger Abraham van Helsing gepfählt und somit ins Jenseits verbannt. Doch auch sein Widersacher wird tödlich verwundet. Noch während Letzterer sein Leben aushaucht, taucht ein mysteriöser Fremder auf, nimmt den Siegelring Draculas an sich, ebenso wie eine Ampulle voll mit seiner Asche, und verschwindet.

Etwa 100 Jahre später, man schreibt das Jahr 1972: Jessica van Helsing lebt bei ihrem Vater Lorimar van Helsing, einem Okkultforscher und direkten Nachfahren des damals getöteten Vampirjägers. Ihre Freizeit verbringt sie vornehmlich mit Parties und Clubbesuchen in Gesellschaft ihrer Clique, angeführt von dem ebenso mysteriösen, wie rebellischen Johnny Alucard.

Auf Vorschlag Alucards veranstalten die Jugendlichen aus Spaß eine schwarze Messe in einer verfallenen Londoner Kirche. Sie ahnen nicht, dass eben dieser Alucard, offensichtlich ein Nachkomme oben erwähnten Fremdens, im Besitz von Draculas Siegelring und seiner Asche ist, und er mit der Dämonenbeschwörung nur ein Ziel verfolgt: Seinen Meister, Dracula, wieder zum Leben zu erwecken. 

Verängstigt und verstört durch das unheimliche Ritual flüchten die Jugendlichen, nur Alucard und Laura, sein Ritualopfer, bleiben zurück. Die Zeremonie hat Erfolg: Dracula steigt aus seinem Grab, stillt zunächst seinen Blutdurst mit Laura’s kostbarem Lebenssaft und macht sich Alucard als Diener gefügig. Als am nächsten Morgen die blutleere Leiche des Mädchens aufgefunden wird, steht die Polizei vor einem Rätsel und wendet sich hilfesuchend an Lorimar van Helsing. Dieser erkennt sofort, dass hier nur einer seine Finger im Spiel haben kann: Dracula, ewiger Widersacher der Familie van Helsing. Er macht sich auf, dem Fürsten der Nacht das Handwerk zu legen. Doch die Zeit ist knapp: Draculas Begierde gilt nämlich van Helsing’s Tochter Jessica...



 

Nachdem die Hammerstudios Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre bei weitem nicht mehr an ihre grandiosen Erfolge der Vergangenheit anknüpfen konnten, versuchte man mit DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN (Den äußerst bescheuerten Titel haben wir mal wieder dem Deutschen Verleih zu verdanken. Gemeint sind dabei selbstverständlich keine Liliputanerinnen, sondern Mädchen mit zur damaligen Zeit gerade in die Mode gekommenen Mini-Röcken...) den Zeitgeist der Frühsiebziger aufzugreifen und die altwürdige Story um den Fürsten der Finsternis den Seh- und Lebensgewohnheiten des damaligen Kinopublikums anzupassen. Ein Versuch, der filmisch zwar durchaus sehenswert ist, kommerziell seinerzeit allerdings zum Scheitern verurteilt war.

Die Story selbst scheint stellenweise an den Haaren herbeigezogen und der „grandiose“ Einfall mit dem Wortdreher „Alucard“ = „Dracula“ lässt den Zuschauer angesichts der banalen Dreistigkeit des Drehbuchs die Augen verdrehen... Nichtsdestotrotz macht der Film dennoch wirklich Spaß.

Wie bei der Vielzahl der Hammer-Produktionen wartet auch DRACULA A.D. 1972, so der Originaltitel, mit beeindruckend atmosphärischen Kulissen (selbstverständlich in jeder Menge Kunstnebel eingebettet) auf, wenngleich diese im Film leider aufgrund der zeitlichen Verlagerung des Handlungsrahmens in die 70er Jahre etwas zurücktreten. Stattdessen bedient sich Regisseur Alan Gibson einer Vielzahl neuer Stilmittel, wie sie seinerzeit auch Jess Franco in seinen Werken dieser Schaffensperiode zuhauf benutzt hat: Psychedelische Farben, hippe Farbspiele und –spiegelungen, und als Krönung des Ganzen einen Soundtrack, stets im Grenzbereich zwischen betörend und nervig ... 70ies Style eben ;-)

Gerade dieser Soundtrack dürfte dann eventuell auch die Gemüter spalten: Fans des alten Gothic-Horrors, seitens der früheren Hammer-Produktionen eher an klassisch monumentaldramatische Klänge gewöhnt, werden sicherlich ihre Probleme mit der teilweise eher an 70er Jahre Blaxploitation, denn an Horror erinnernden Musik haben. 70ies-Fans und Freunde eben dieser Film-Epoche werden dagegen ihre helle Freude haben!!

Über allem schwebt natürlich auch in dieser Dracula-Verfilmung die grandiose Darstellung zweier der größten Horror-Mimen aller Zeiten: Das ewige Duell Christopher Lee / Peter Cushing, längst Filmgeschichte, überragt auch hier die Gesamtszenerie. Leider hat Lee in diesem Werk nur einen vergleichsweise kurzen Auftritt, den er jedoch gewohnt souverän mit der für ihn typischen intensiven Mimik meistert. So obliegen die Hauptparts der Geschichte Peter Cushing, der mit seinen markanten Gesichtszügen ja seit jeher der Inbegriff der Figur des van Helsing ist und der Rolle auch hier wieder seinen unverkennbaren Stempel aufdrückt.

Auch die übrigen Schauspieler verstehen ihr Handwerk. Wenn Johnny Alucard zu Beginn des Films mit seiner Clique eine Dinner-Party reicher Leute aufmischt, drängt sich bei Christopher Neames Darstellung des rebellischen Aufwieglers ein vergleich zu Malcolm McDowell als Alex in Stanley Kubrick’s „Clockwork Orange“ (GB, 1971) geradezu auf. Ex-Bond-Girl Caroline Munro („Der Spion der mich liebte“, GB, 1977) als Opfer Draculas dürfte Horrorfans durch ihre Auftritte in „Maniac“ (USA, 1980), „Fröhliche Weihnacht“ (GB, 1985) und Jess Franco’s „Faceless“ (E, F, 1988) ein Begriff sein.

Der Film kommt weitestgehend ohne besonders explizite Gewaltdarstellungen aus, besitzt aber dennoch einige schaurig schöne Einstellungen, die jedoch nur wirklich sehr zartbesaiteten Persönlichkeiten auf den Magen schlagen. Genre-Fans dürften sich da vielmehr an der Naivität der Special-Effects erfreuen. Ja!! In den 70ern war das Blut wohl wirklich noch um einiges dicker als Wasser ;-)

Horrorfans, die sich nicht nur dem modernen Splatter verschrieben haben, sondern ein Herz für atmosphärischen, teilweise naiven Grusel besitzen, werden (ebenso wie Freunde des 70ies-Trash-Movies) mit DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN somit auf höchst kurzweilige Weise unterhalten!!! Bei Fans der Dracula-Verfilmungen aus dem Hause Hammer besitzt der Film inzwischen ohnehin schon Kultstatus.

Fazit:  Dracula meets Clockwork Orange...  Höchst unterhaltsamer 70ies-Beitrag zur Dracula-Reihe der Hammer-Studios.

Review by MiP

Der Autor

Splatter
Spannung
Story
Ekelfaktor
Atmosphäre
Gesamt

Ähnlicher Film:

Dracula, Dracula's Rückkehr, Vampyros Lesbos,
Clockwork Orange
 

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