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Nachdem die Hammerstudios Ende der 60er,
Anfang der 70er Jahre bei weitem nicht mehr an ihre grandiosen Erfolge der
Vergangenheit anknüpfen konnten, versuchte man mit DRACULA JAGT
MINI-MÄDCHEN (Den äußerst bescheuerten Titel haben wir mal wieder dem
Deutschen Verleih zu verdanken. Gemeint sind dabei selbstverständlich keine
Liliputanerinnen, sondern Mädchen mit zur damaligen Zeit gerade in die Mode
gekommenen Mini-Röcken...) den Zeitgeist der Frühsiebziger aufzugreifen
und die altwürdige Story um den Fürsten der Finsternis den Seh- und
Lebensgewohnheiten des damaligen Kinopublikums anzupassen. Ein Versuch, der
filmisch zwar durchaus sehenswert ist, kommerziell seinerzeit allerdings zum
Scheitern verurteilt war.
Die Story selbst scheint stellenweise an den
Haaren herbeigezogen und der „grandiose“ Einfall mit dem Wortdreher „Alucard“
= „Dracula“ lässt den Zuschauer angesichts der banalen Dreistigkeit des
Drehbuchs die Augen verdrehen...
Nichtsdestotrotz macht der Film dennoch wirklich Spaß.
Wie bei der Vielzahl der Hammer-Produktionen
wartet auch DRACULA A.D. 1972, so der Originaltitel, mit beeindruckend
atmosphärischen Kulissen (selbstverständlich in jeder Menge Kunstnebel
eingebettet) auf, wenngleich diese im Film leider aufgrund der zeitlichen
Verlagerung des Handlungsrahmens in die 70er Jahre etwas zurücktreten.
Stattdessen bedient sich Regisseur Alan Gibson einer Vielzahl neuer
Stilmittel, wie sie seinerzeit auch Jess Franco in seinen Werken dieser
Schaffensperiode zuhauf benutzt hat: Psychedelische Farben, hippe Farbspiele
und –spiegelungen, und als Krönung des Ganzen einen Soundtrack, stets im
Grenzbereich zwischen betörend und nervig ... 70ies Style eben ;-)
Gerade dieser Soundtrack dürfte dann
eventuell auch die Gemüter spalten: Fans des alten Gothic-Horrors, seitens
der früheren Hammer-Produktionen eher an klassisch monumentaldramatische
Klänge gewöhnt, werden sicherlich ihre Probleme mit der teilweise eher an
70er Jahre Blaxploitation, denn an Horror erinnernden Musik haben.
70ies-Fans und Freunde eben dieser Film-Epoche werden dagegen ihre helle
Freude haben!!
Über allem schwebt natürlich auch in dieser
Dracula-Verfilmung die grandiose Darstellung zweier der größten
Horror-Mimen aller Zeiten: Das ewige Duell Christopher Lee / Peter Cushing,
längst Filmgeschichte, überragt auch hier die Gesamtszenerie. Leider hat
Lee in diesem Werk nur einen vergleichsweise kurzen Auftritt, den er jedoch
gewohnt souverän mit der für ihn typischen intensiven Mimik meistert. So
obliegen die Hauptparts der Geschichte Peter Cushing, der mit seinen
markanten Gesichtszügen ja seit jeher der Inbegriff der Figur des van
Helsing ist und der Rolle auch hier wieder seinen unverkennbaren Stempel
aufdrückt.
Auch die übrigen Schauspieler verstehen ihr
Handwerk. Wenn Johnny Alucard zu Beginn des Films mit seiner Clique eine
Dinner-Party reicher Leute aufmischt, drängt sich bei Christopher Neames
Darstellung des rebellischen Aufwieglers ein vergleich zu Malcolm McDowell
als Alex in Stanley Kubrick’s „Clockwork Orange“ (GB, 1971) geradezu
auf.
Ex-Bond-Girl Caroline Munro („Der Spion der mich liebte“, GB, 1977) als
Opfer Draculas dürfte Horrorfans durch ihre Auftritte in „Maniac“ (USA,
1980), „Fröhliche Weihnacht“ (GB, 1985) und Jess Franco’s „Faceless“
(E, F, 1988) ein Begriff sein.
Der Film kommt weitestgehend ohne besonders
explizite Gewaltdarstellungen aus, besitzt aber dennoch einige schaurig
schöne Einstellungen, die jedoch nur wirklich sehr zartbesaiteten
Persönlichkeiten auf den Magen schlagen. Genre-Fans dürften sich da
vielmehr an der Naivität der Special-Effects erfreuen. Ja!! In den 70ern
war das Blut wohl wirklich noch um einiges dicker als Wasser ;-)
Horrorfans, die sich nicht nur dem modernen
Splatter verschrieben haben, sondern ein Herz für atmosphärischen,
teilweise naiven Grusel besitzen, werden (ebenso wie Freunde des
70ies-Trash-Movies) mit DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN somit auf höchst
kurzweilige Weise unterhalten!!!
Bei Fans der Dracula-Verfilmungen aus dem Hause Hammer besitzt der Film
inzwischen ohnehin schon Kultstatus.
Fazit:
Dracula meets Clockwork Orange...
Höchst
unterhaltsamer 70ies-Beitrag zur Dracula-Reihe der Hammer-Studios. |